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Einleitung
Mitten im Frieden ist dies ein Buch vom Krieg. Seit jenem verhängnisvollen Tag, an dem mit dem zweiten Weltkrieg eine der gröfiten Menschheitskatastrophen ausgelöst wurde, ist bald ein halbes Jahrhundert vergangen. Europa erhob sich aus der Asche und blieb von da an füreine in seiner Geschichte beispiellose Zeitspanne frei von solchem Völkergemetzel. Ein Zustand, der leicht vergessen läßt, daß seither außerhalb unseres Kontinents in militärischen Konflikten schon etwa halbsoviel Menschen umgekommen sind, wie in jenem großen Kriege. Ein Zustand auch, in dem allzuviele vor jenem großen Kriege lebten - hoffnungsvoll, unbeschwert, sorglos.
Anlaß zur Sorge aber gab es mehr als genug. Der erste Weltkrieg hatte keine der Ursachen beseitigt, die ihn ausbrechen ließen. Er hatte im Gegenteil die unversöhnlichen Widersprüche zwischen den imperialistischen Staaten noch verschärft. Die zu kurz gekommenen drängten auf gewaltsame Neuverteilung, die unterlegenen auf eine grundsätzliche Wende. Der zwischenzeitlich wiedererstarkte deutsche Imperialismus fand, daß ihm zumindest die Vorherrschaft in Europa, wenn nicht eigentlich die Weltherrschaft zustehe. Fernab von Moral und Vernunft reduzierte sich die Frage nach Krieg oder Frieden auf einen Punkt: Wann man potent genug sei, das Vorhaben gegen alles und alle durchzusetzen.
Den entscheidenen Schritt auf diesem unheilvollen Wege unternahmen die bedenkenlosesten Kreise der deutschen Monopolbourgeoisie 1933 mit der Machtübergabe an den Faschismus. Hitlers Nazipartei schien ihrer politischen Praxis wie ihren Absichten nach die geeignete Kraft, das erstrebte Ziel zu erreichen. Keine andere war brutal und skrupellos genug, und obendrein verfügte sie über einen starken Anhang in breiten Schichten des Volkes, das in der großen Weltwirtschaftskrise durch Massenarbeitslosigkeit und Verelendung an den Rand der Verzweiflung getrieben worden war. Von nun an herrschte in Deutschland „die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals".
Mit der faschistischen Diktatur war die Voraussetzung geschaffen, alle antiimperialistischen Kräfte in Deutschland auszuschalten, jeden Widerstand gegen den Kriegskurs zu brechen und das Volk ungestört auf die Eroberungspläne auszurichten. Während der ersten anderthalb Jahre seiner Herrschaft widmete sich der Faschismus vordringlich dieser Aufgabe. Die Arbeiterparteien und ihre Organisationen wurden blutig unterdrückt, konkurrierende bürgerliche Gruppierungen auf kaltem Wege mundtot gemacht, rebellierende Anhängerscharen rigoros ins Glied gezwungen. Die in der Novemberrevolution von 1918
errungenen Rechte des Volkes, besonders der Arbeiterklasse, liquidierte man nun restlos. Im Sommer 1934 hatte sich das Naziregime auf diese Weise innenpolitisch konsolidiert; Hitler stand als „Führer und Reichskanzler" praktisch uneingeschränkt an der Spitze eines Reiches, das nach Potenz und Ambition kaum anders denn als Kriegsherd zu betrachten war.
Inneren Rückhalt fand das Nazi regime zunächst vor allem in der Wirtschaft, bei Großkonzernen und Banken. Sie durften auf wachsende Profite aus der sofort insgeheim anlaufenden Aufrüstung rechnen, in der Perspektive auf gewaltsame Vergrößerung ihrer Marktanteile in der Welt. Nicht minder ausschlaggebend für ihre rege Teilhaberschaft