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Reserviertes Zimmer in Ottos Restaurant. Solide altdeutsche" Einrichtung. In der Mitte ein festlich gedeckter Buffettisch, zur Selbstbedienung für etwa fünfzehn Personen. Im Hintergrund, durch geraffte Portieren halb verdeckt, GlllG gemütliche Ecke", mit Rauchtischchen, Klubsesseln, Likör- und Zigarrenservice. Wenn der Vorhang aufgeht, brennt noch die volle elektrische Deckenbeleuchtung, aber François und Herr Detlev, die an die Tischdekoration le^te Hand anlegen, Flaschen entkorken und Aperitifgläser füllen, beginnen eine Menge großer Kerzen in silbernen Tisch- und Wandleuchtern anzuzünden und drehen später das grelle Hauptlicht ab. Alle Fenster sind mit dicken schwarzen Vorhängen verhüllt. Ein Ventilator summt leise.DETLEV: Wie spät? FRANÇOIS: Minuit moins le quart. DETLEV: Wird 'ne lange Nacht geben. FRANÇOIS: Ca y est. Dicke Marie, pour nous. DETLEV: Wenn Harras mal wieder richtig auffahren läßt Mensch das ist noch alte Schule. Da bleibt kein Auge trocken. FRANÇOIS: Que fais-tu donc? Pas de Porto, pour Harras. Il va commencer avec un Armagnac. Double. Donne-moi le grand verre. DETLEV: Woher weißt du, Sibylle? FRANÇOIS: Je le connais. Il vient de la Reichskanzlei d'une réception officielle d'Etat. Alors il lui faut plus fort que du Porto. C'est logique. N'est-ce pas?11DETLEV: Stimmt wie 'ne Baßgeige. Wenn er seinem Führer ins Auge gescliaut hat, dann braucht er 'ne innere Spülung.FRANÇOIS (mit einem Blick über die kalten Platten): Dieu merci que nous avons des pays occupés. C'est le confort du patron. On ne mange que des fruits les fruits de la victoire. Voila: Les hors-d'oeuvre de Norvege. Le homard d'Ostende. Le gibier de Pologne. Le fromage de Hollande. Le beurre du Danemark. Et les légumes d'Italie. Pas de caviar de Moscou DETLEV: Aber französisdier Sekt. (Läßt einen Pfropfen knallen, kostet einen Schluck.) Prostata. Das schmeckt besser als Ribbentrops Hausmarke.STIMME OTTOS (von draußen): François! Le pâté de foie gras pour Exzellenz! Die Terrine ist nidit geöffnet.FRANÇOIS (vor sich hin, gelangweilt): Ouwez-la vous meme. J'm'en fiche. (Kostet einen Schluck Champagner.) Vive la collaboration.OTTO (erscheint aufgeregt in der Tür): Herr Detlev!! François! Wo steckt ihr denn, hier ist doch nodi gar nidits los. Was soll ich denn drüben machen mit den drei Ungelernten, wo heute Reichstag war. Die ganze Bude voll großer Tiere vier Exzellenzen, zwo Minister, ein Feldmarschall, 'ne Hucke Gauleiter und die bessere Creme von der Krolloper DETLEV: Verzeihung, Herr Otto, wir sind im Dienst. General Harras hat uns ausdrücklich für seine Gesellschaft abkommandiert. François und mich. Von wegen zuverlässig. Sie wissen.OTTO: Das hat Zeit, er ist ja noch nicht mal vorgefahren, aber wo bleiben die Waldschnepfen für Herrn Jan-nings. Herr Jannings schreit schon!DETLEV: Laß ihn schrein. Herr Jannings kann mich, bei Mondenschein.OTTO: Unerhört. So wird man im Stidi gelassen. Verraten und verkauft, und kein Ersa^ zu kriegen. Was hab ich nicht alles für euch getan, die Unabkömmlichkeil, die Sdiwerarbeiterrationen und alles das, wenn ihr mir jeßt in den Rüdsen fallt 12