Bővebb ismertető
Bemerkungen zum Verhältnis
von sprachlich-kommunikativer Tätigkeit und sozialen Normen
Peter Suchsiand, Jena
0. Gesetze und Normen
Zu den Grundgedanken einer marxistisdi begründeten Sprachwissensdiaft, die in den letzten Jahren wiederholt unterstridien wurden, gehört die Feststellung, daß die sprach-lidie Kommunikation, ebenso wie die materielle und geistige Produktion, sidi innerhalb geselischaftlidier Produktionsverhältnisse vollzieht, daß Kommunikation und Produktion in diesen Produktionsverhältnissen einander wediselseitig bedingen, daß also die Kommunikation genetisdi und funktionell untrennbar mit der Produktion verbunden ist.^ In der Produktion wirken nun Gesetzmäßigkeiten versdiiedener Art: Insofern sie Veränderung der Natur bewirkt, unterliegt sie den Gesetzmäßigkeiten der Natur, insofern sie Veränderung der Gesell-sdiaft bewirkt, unterliegt sie den Gesetzmäßigkeiten der Gesellsdiaft. In der Produktion wirken also stets natürlidie und soziale Gesetze, weil Produktion sowohl Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur als auch Auseinandersetzung des Menschen mit dem Menschen ist.^ Die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen gehorchen nun aber nicht nur sozialen Gesetzen, sondern sie unterliegen auch sozialen Normen oder sozialen Regeln. Soziale Gesetzmäßigkeiten und soziale Normen sind in komplizierter Weise aufeinander bezogen, aber sie sind nicht miteinander identisch. Vergleicht man natürliche Gesetze, soziale Gesetze und soziale Normen miteinander, so könnte man -in sehr vereinfachter Weise - vielleicht folgendes finden: Natürliche Gesetzmäßigkeiten sind nicht willkürlich veränderbar und nicht verletzbar, da sie unabhängig vom Handeln der Menschen wirken und nicht von ihnen festgelegt sind; soziale Gesetzmäßigkeiten sind nicht willkürlich veränderbar, aber verletzbar, da sie durch das Handeln der Menschen wirken, aber nicht von ihnen festgelegt sind^; soziale Normen sind veränderbar und verletzbar, da sie nicht nur durch das Handeln der Menschen durchgesetzt werden, sondern auch von ihnen - implizit oder explizit - festgelegt sind.^ Be-
trachtet man soziale Gesetze und soziale Normen weiter, so könnte man sagen, daß soziale Gesetze unabhängig von den Intentionen sozialer Gruppen wirken, daß soziale Normen hingegen gerade die Intentionen sozialer Gruppen mehr oder weniger offen ausdrücken. Die Existenz sozialer Normen ist zwar eine objektive Notwendigkeit, der Inhalt sozialer Normen dagegen hat sowohl objektiven als auch subjektiven Charakter. Die Objektivität von sozialen Normen beruht auf ihrer Eigenschaft, Bestandteil des gesellschaftlichen Bewußtseins zu sein, die Subjektivität besteht darin, daß sie nicht Ausdruck des Interesses der gesamten Gesellschaft sein müssen, sondern Ausdruck des Interesses einzelner sozialer Gruppen sein können.^ Der Inhalt einzelner sozialer Normen oder ganzer Systeme, Gefüge oder Komplexe sozialer Normen muß nicht unbedingt mit einer objektiven Notwendigkeit korrespondieren, er kann sozialen Gesetzen e n t sprechen, aber auch widersprechen. Gesetze im juristischen Sinne beispielsweise sind Normen im soziologischen Sinne, sie können in der kapitalistischen Gesellschaft etwa gegen das soziale Gesetz des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus gerichtet sein. Daraus wird deutlich, daß soziale Normen eine bestimmte Art sozialer Beziehungen regulieren, nämlich die sozialen Handlungen oder das soziale Verhalten^, das als Voraussetzung und als Ergebnis sozialer Verhältnisse verstanden werden muß.
1. Sprachlich-kommunikative Normen als soziale Normen
Der Zusammenhang zwischen sprachlichkommunikativer Tätigkeit und sozialen Normen resultiert daraus, daß - wie ebenfalls in den letzten Jahren in der DDR-Sprachwis-senschaft im Anschluß an Ergebnisse der sowjetischen Pychologie herausgearbeitet worden ist - sprachlich-kommunikative Tätigkeit als eine Form sozialer Handlungen, sozialen Verhaltens erscheint.' Wenn also soziales Verhalten im allgemeinen durch soziale Normen bestimmt (oder wenigstens mit be-
Zeiuchrift „Deutsdi all Fremdsprache", 15. Jahrgang 1978, Heft 1 - Seiten 1-64. Vetlagson Leipzig
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