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Die großen deutschen Personenwagen-Marken
Die Entwicklung des deutschen Automobilbaus zwischen den beiden Weltkriegen verlief turbulent und dramatisch. Ursachen hierfür waren vordergründig die Inflation anfangs der zwanziger und die Wirtschaftskrise anfangs der dreißiger Jahre. Indes war es meistens nur Wildwuchs, der in der Scheinkonjunktur nach dem ersten Weltkrieg wucherte und spätestens in der Krisenzeit verdorrte. Solche Blüten blieben Randerscheinungen, zahlenmäßig freilich inflationär wie das damalige Geld und von ebenso geringem Wert. Interessante Ideen gab es schon dabei, doch ohne realen Hintergrund vermochten sie nichts zu bewegen.
Auch die Konkurrenz aus Amerika, die der deutschen Automobilindustrie eine Zeitlang das Fürchten lehrte, hätte sich niemals so eindrucksvoll durchgesetzt, wenn sie nicht tatsächlich weit überlegen gewesen wäre. Man wollte es zu jener Zeit nur nicht wahrhaben, daß es hierzulande Fortschritt und neue Impulse fast nur bei den Außenseitern des deutschen Automobilbaus gab, kaum aber bei der etablierten Industrie, die, von Ausnahmen abgesehen, träge in der überkommenen Maschinenbautechnik verharrte. Solid und robust wie Dampfmaschinen waren unsere industriell gefertigten Automobile, doch fehlte ihnen halt der Pfiff, das Temperament, die Eleganz. Die Amerikaner hingegen fuhren längst massenproduzierte Autos für Jedermann, billig im Preis, wirtschaftlich im Betrieb, zuverlässig, dauerhaft, bequem, gefällig in der äußeren Form und leicht zu handhaben. Auch sie hatten ihre Schwächen, doch alles in allem waren sie dem damaligen Grobzeug der deutschen Automobilindustrie klar überlegen. Da half kein Appell an den nationalen Stolz, kein Ruf nach hohen Zöllen, und schon gar nicht half die unglückselige Hubraumsteuer, die uns bis auf den heutigen Tag erhalten blieb. Gerade diese Hubraumsteuer, die nur in der Vorstellung verbohrter Ideologen als soziale Errungenschaft gilt, gereichte dem deutschen Automobilbau und den deutschen Autofahrern bisher nur zum Nachteil. Dies zu begreifen wird freilich dem sogenannten kleinen Mann auf der Straße immer sehr schwerfallen.
Die zeitweilige Vorherrschaft der Amerikanerwagen und die Wirtschaftskrise bewirkten immerhin, daß sich die deutsche Automobilindustrie gezwungen sah, ihre Produkte radikal zu modernisieren. Die Käufer stellten hohe Ansprüche, denn sie wußten jetzt, was machbar war. Als nach der Krise der Wiederaufschwung einsetzte, hatte die deutsche Automobilindustrie auf einmal mit die besten und interessantesten Automobile der Welt anzubieten! Kaum ein Drittel der Firmen, die es 10 Jahre vorher gegeben hatte, war noch da. Aber jede einzelne von ihnen hatte nun ein Programm vorzuweisen, das auch im internationalen Vergleich hervorragend abschnitt. Damals erlangte die deutsche Automobilindustrie jenen Weltruf, den sie bis heute zu bewahren verstand.