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Deutsche Dome des Mittelalters [antikvár]

Wilhelm Pinder

 
Die künstlerische Fáhigkeit, mit der die altén Döme rechneten, ist heute nahe-zu erloschen. Die Menschen unserer Zeit pflegen vom Erlebnis altér Ráume eben das Ráumliche nicht zu behalten. Wenn ein üanzes zu bleiben scheint, so ist es eine dámmerige Erinnerung aus den Zu-fállen der Tagesstunde und des Lichtes, aus den farbigen Reflexen der hinzuge-tretenen Ausstattung: nicht die gebaute Form, sondern ein Gespinnst aus ihren Zutaten.Eine íange einseitige Ernáhrung des Áugensinnes hat uns gelehrt, die flüchtigen Zusammenhánge als...
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Die künstlerische Fáhigkeit, mit der die altén Döme rechneten, ist heute nahe-zu erloschen. Die Menschen unserer Zeit pflegen vom Erlebnis altér Ráume eben das Ráumliche nicht zu behalten. Wenn ein üanzes zu bleiben scheint, so ist es eine dámmerige Erinnerung aus den Zu-fállen der Tagesstunde und des Lichtes, aus den farbigen Reflexen der hinzuge-tretenen Ausstattung: nicht die gebaute Form, sondern ein Gespinnst aus ihren Zutaten.Eine íange einseitige Ernáhrung des Áugensinnes hat uns gelehrt, die flüchtigen Zusammenhánge als das Eigeníliche zu be-greiíen, indessen das festere Gefüge d^s architektonischen Willens sich uns entziehtErst ein bewuBtes, geduldiges Auf-horchen, eine nachtrágliche und sorgsame Scbárfung der Sinne, dringt zu der über-wucherten Schönheit des Bauwerkes zu-riick. In glücklicher Stunde erwacht, wie eine uralte Erinnerung, was den Meistern der Döme das Wesentliche war: in uns selber regt sich die Hebung und Senkung, die Weitung und Verengung des Raumes wie eigene kőrperüche Spannung und Be-íreiung, wie ein eigener innerer Atem der starke Atem eines vergessenen Lebens, eine verlorene Gesundheit, eine urwüch-sige erdennáhere Lust, ein Stück derben Knabentumes der europáisehen Mensch-heit.Das Bauen der mittelalterlichen Völker war mehr, als was wir Bauen nennen. Es war die stárkste Art gehobenen Aus-druckes, der sich an Alle wenden konnte. Die Architektur überstieg die Forderungen des praktischen Bedürfnisses um eines all-gemeineren Amtes willen. Sie übernahm es, drángende Anliegen, die nach erhabener Form verlangten, vorzutragen. Bauwerke wuchsen, wo heute Musik geschaffen wird. Qenerationen trugen am Werden des Kunstwerks; und dieser zu iangen Span-nungen fáhige Wille schuf in der Bau-kunst Vollendetes, als Maierei und Plastik noch in klösterlicher Enge und dienender Dumpfheit gebunden waren.Man muB sich freilich huíen, die Ger-manen des Mittelalters, zuma! die Vor-gánger der heutigen Deutschen, als innige Schwármer zu denken, die in mystischem Drange Zeugnis auf Zeugnis einer rasse-eignen Frömmigkeit errichtet hátten. So war es gewifi nicht, aber dieses reisige und stámmige Volk trieb allerdings eine geistige Elité aus sich hervor, die den orientaüschen Gedanken des Christen-tums auf ihre Art verstand: die Geist-lichkeit Diese Geistlichkeit aber, ohne Zweifel damals der expansivste, angriffs-froheste. frischeste Teil des Volkes, in allén wirklichen Spitzen durchaus blutvoll und kriegerisch, bewahrte eben jene einzigc Aufgabe, an der die Formkraft der Nation sich bildete, den einen, immer wieder zu errichtenden Raum, den die Vornehmheit eines geistigen Zweckes über jeden Nutz-bau erhob. Hierzu drángten die jungen Kráfte. In dieser steinernen Sprache redet die ganze frühe deutsche Welt, ihre drauf-gángerische Derbheit und ihre alpdruck-haft düsteren Gefiihle, ihr ungestümes SelbstbewuBtsein und ihre zeitweilige Hin~ gabe an groÖe Zwecke.Aber die kirchliche Grundform war noch nichts Germanisches. Im frühen Mittelalter steckt noch viel spáte Antiké, Nicht nur, daB das Dasein Italiens aus dem BewuGtsein von Abkommen kriege-rischer Wanderer nicht schwinden konnte hinter allém Römischen lagerte noch, altér, reicher, unerschöpflicher Geheim-nisse voll, derOrient und spendete Ahnun-gen und Nachklánge seiner farbigen Ver-schmelzungskunst, seiner dunkelbewegten Raumbildungen.Es war ja auch innerlich unmöglich,

Termékadatok

Cím: Deutsche Dome des Mittelalters [antikvár]
Szerző: Wilhelm Pinder
Kiadó: Karl Robert Langewiesche Verlag
Kötés: Varrott papírkötés
Méret: 190 mm x 270 mm
Wilhelm Pinder művei
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