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Wilhelm Pinder - Deutsche Dome des Mittelalters [antikvár]

Deutsche Dome des Mittelalters [antikvár]

Wilhelm Pinder

 
Die Auswahl dieser Abbildungen hat sich an den engen Begriff „Dom" gleich „Bischofskirche" so wenig wie an die Ausdehnung und die allgemeinere Bekanntheit der Werke gebunden. Sie versucht, den Deutschen eine Ahnung von dem gewaltigen architektonischen Reichtum zu geben, den sie durch ihr Mittelalter besitzen. Mit besonderem Danke sei auf die noch immer wachsende Arbeit der Kgl. Preußischen Meßbildanstalt in Berlin verwiesen, die schon jetzt über 13000 Aufnahmen deutscher Bauwerke angelegt hat. Die Herausgabe stützt sich außer auf...
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Die Auswahl dieser Abbildungen hat sich an den engen Begriff „Dom" gleich „Bischofskirche" so wenig wie an die Ausdehnung und die allgemeinere Bekanntheit der Werke gebunden. Sie versucht, den Deutschen eine Ahnung von dem gewaltigen architektonischen Reichtum zu geben, den sie durch ihr Mittelalter besitzen. Mit besonderem Danke sei auf die noch immer wachsende Arbeit der Kgl. Preußischen Meßbildanstalt in Berlin verwiesen, die schon jetzt über 13000 Aufnahmen deutscher Bauwerke angelegt hat. Die Herausgabe stützt sich außer auf die Denkmälerinventare vor allem auf DEHIO-BEZOLD'S grundlegende „Kirchliche Baukunst des Abendlandes" und auf das „Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler" von Georg DEHIO. Von benützten Einzelarbeiten seien erwähnt: Herrmann SCHMITZ, Soest. Leipzig 1908. — O. v. SCHLEINITZ, Trier. Leipzig 1909. — Jos. NEU-WIRTH, Prag. Leipzig 1901. — E. RENARD, Köln. Leipzig 1907. =Z ALLE RECHTE, AUCH DAS DER ÜBERSETZUNG, VORBEHALTEN. Die erste, dreißigtausend Exemplare starke Auflage des Werkes wurde im Februar 1910, die ZWEITE, das 31. bis 55. Tausend umfassende Auflage im Mai 1910 von EMIL HERRMANN SENIOR in Leipzig gedruckt. Die Bildstöcke arbeiteten die graphischen Anstalten F. BRUCKMANN A. O. in München und E. SCHREIBER, G. m. b. H. in Stuttgart. Das Kunstdruckpapier lieferte KRAUSE & BAUMANN in Dresden. Die Kapitell-Zeichnungen im einleitenden Text fertigte Architekt HANS SCHMIDT. Es sind: Kapitell aus der Unterkirche von Quedlinburg. (Seite VII] — Kapitell aus der Oberkirche von Quedlinburg. [Seite VII] — Kapitell aus der Krypta von Konradsburg. [Seite IX] — Pfeilerkapitell vom Magdeburger Domchorumgang. [Seite XI] — Kapitell vom Ostchor des Naumburger Domes. [Seite XII] — Kapitell vom Mausoleum der Hl. Elisabeth. Marburg. Ehsabethkirche. [Seite XV] — Die GRUNDRISSE im erläuternden Schlußtexte wurden mit Erlaubnis des Verlegers nach Dehio und Bezold's „kirchlicher Baukunst" verkleinert. Bei diesen Grundrissen sind im All-gememen je 15 mm der Zeichnung gleich 20 m in der Natur. Bei den Grundrissen des Kölner und des - Magdeburger Domes entsprechen 15 mm der Zeichnung dagegen 40 m in der Natur. = Die künstlerische Fähigkeit, mit der die alten Dome rechneten, ist heute nahezu erloschen. Die Menschen unserer Zeit pflegen vom Erlebnis alter Räume eben das Räumliche nicht zu behalten. Wenn ein Ganzes zu bleiben scheint, so ist es eine dämmerige Erinnerung aus den Zufällen der Tagesstunde und des Lichtes, aus den farbigen Reflexen der hinzugetretenen Ausstattung: nicht die gebaute Form, sondern ein Gespinnst aus ihren Zutaten. Eine, lange einseitige Ernährung des Augensinnes hat uns gelehrt, die flüchtigen Zusammenhänge als das Eigentliche zu begreifen, indessen das festere Gefüge des architektonischen Willens sich uns entzieht. Erst ein bewußtes, geduldiges Aufhorchen, eine nachträgliche und sorgsame Schärfung der Sinne, dringt zu der überwucherten Schönheit des Bauwerkes zurück. In glücklicher Stunde erwacht, wie eine uralte Erinnerung, was den Meistern der Dome das Wesentliche war: in uns selber regt sich die Hebung und Senkung, die Weitung und Verengung des Raumes wie eigene körperliche Spannung und Befreiung, wie ein eigener innerer Atem — der starke Atem eines vergessenen Lebens, eine verlorene Gesundheit, eine urwüchsige erdennähere Lust, ein Stück derben Knabentumes der europäischen Menschheit. Das Bauen der mittelalterlichen Völker war mehr, als was wir Bauen nennen. Es war die stärkste Art gehobenen Ausdruckes, der sich an Alle wenden konnte. Die Architektur überstieg die Forderungen des praktischen Bedürfnisses um eines allgemeineren Amtes willen. Sie übernahm es, drängende Anliegen, die nach erhabener Form verlangten, vorzutragen. Bauwerke wuchsen, wo heute Musik geschaffen wird. Generationen trugen am Werden des Kunstwerks; und dieser zu langen Span- nungen fähige Wille schuf in der Baukunst Vollendetes, als Malerei und Plastik noch in klösterlicher Enge und dienender Dumpfheit gebunden waren. m M an muß sich freilich hüten, die Germanen des Mittelalters, zumal die Vorgänger der heutigen Deutschen, als innige Schwärmer zu denken, die in mystischem Drange Zeugnis auf Zeugnis einer rasseeignen Frömmigkeit errichtet hätten. So war es gewiß nicht, aber dieses reisige und stämmige Volk trieb allerdings eine geistige Elite aus sich hervor, die den orientalischen Gedanken des Christentums auf ihre Art verstand: die Geistlichkeit. Diese Geistlichkeit aber, ohne Zweifel damals der expansivste, angriffs-froheste, frischeste Teil des Volkes, in allen wirklichen Spitzen durchaus blutvoll und kriegerisch, bewahrte eben jene einzige Aufgabe, an der die Formkraft der Nation sich bildete, den einen, immer wieder zu errichtenden Raum, den die Vornehmheit eines geistigen Zweckes über jeden Nutzbau erhob. Hierzu drängten die jungen Kräfte. In dieser steinernen Sprache redet die ganze frühe deutsche Welt, ihre draufgängerische Derbheit und ihre alpdruckhaft düsteren Gefühle, ihr ungestümes Selbstbewußtsein und ihre zeitweilige Hingabe an große Zwecke. Aber die kirchliche Grundform war noch nichts Germanisches. Im frühen Mittelalter steckt noch viel späte Antike. Nicht nur, daß das Dasein Italiens aus dem Bewußtsein von Abkommen kriegerischer Wanderer nicht schwinden konnte — hinter allem Römischen lagerte noch, älter, reicher, unerschöpflicher Geheimnisse voll, der Orient und spendete Ahnungen und Nachklänge seiner farbigen Verschmelzungskunst, seiner dunkelbewegten Raumbildungen. Es war ja auch innerlich unmöglich.

Termékadatok

Cím: Deutsche Dome des Mittelalters [antikvár]
Szerző: Wilhelm Pinder
Kiadó: Karl Robert Langewiesche Verlag
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 190 mm x 270 mm
Wilhelm Pinder művei
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