Bővebb ismertető
GeleitwortDer Wiederaufbau zerstörter Städte nach dem Kriege, die fortschreitende Industrialisierung mit dem weiteren Ausbau der Ballungszentren mußte zwangsläufig die Stadtentwicklung in den Vordergrund treten lassen. Demgegenüber wurde der ländliche Raum zunehmend vernachlässigt, zumal sich auch nur wenige qualifizierte Architekten und Wissenschaftler um die Probleme des Dorfes bemühten. Um so erfreuHcher ist es, daß der Westermann Verlag den deutschen Dörfern ein umfangreiches Buch mit ausgewählten Autoren und hervorragender Ausstattung widmet. Hiermit kann ein Ausrufungszeichen für eine Entwicklung im ländlichen Raum gesetzt werden, die wieder in geordnete Bahnen gelenkt werden muß, um weitere Schäden zu vermeiden.Sowohl in meiner Eigenschaft als Präsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft als auch als Sprecher des Deutschen Rates für Landespflege hatte ich in den letzten Jahrzehnten vielseitigen Kontakt mit dem ländlichen Raum und seinen Dörfern. Ein besonderer Anlaß hierzu war der Bundeswettbewerb Unser Dorf soll schöner werden", der ein Ergebnis der Mainauer Gespräche ist und nun seit 20 Jahren mit Erfolg durchgeführt wird. Die deutlich erkennbaren problematischen Entwicklungen im ländlichen Raum waren mit ein Anlaß, den Wettbewerb zu initiieren und die dörfliche Bevölkerung anzuregen, ihren Lebensraum zu erhalten und zu gestalten. Die Übertragung der Planungshoheit auf die Gemeinden - ohne Rücksicht auf ihre Größe - mußte sich nachteilig auswirken. So besteht kein Zweifel, daß sehr viele Gemeinden, ohne erkennbaren Grund und ohne eine Ermittlung des Bedarfs angestellt zu haben, neue Baugebiete ausgewiesen haben, die gar nicht geschlossen bebaut werden können. Ohne Anlaß sind in vielen Fällen auch mehrgeschossige Bauten errichtet worden, die weder das Ortsbild bereichern, noch in die Landschaft passen. Es muß deutHch ausgesprochen werden: Eine fortschrittliche Entwicklung von Baugebieten, also die Anwendung neuer, flächensparender Bauformen, konnte im ländlichen Raum noch nicht Fuß fassen. Die Behandlung gewachsener bäuerlicher Ortskerne läßt oft zu wünschen übrig, weil sie nicht selten durch unmittelbar angegliederte Neubaugebiete entwertet werden. Eine weitere Fehlentwicklung als Folge der uneinge-schränkten Planungshoheit ist schließlich in der unnötigen Ausweisung von Gewerbegebieten zu sehen, die häufig in einer falschen Lage zu Wohngebieten aufgebaut und nur selten landschaftlich befriedigend eingebunden worden sind. Aber auch viele Erholungsund Badeorte haben sich verieiten lassen, moderne Hotels und Hochhäuser zu erbauen. Der Ferienort im ländlichen Raum in unseren Berg-, Heide- und Seenlandschaften soll sich seinen betont ländlichen Charakter erhalten und nicht in eine ohnehin aussichtslose Konkurrenz mit den großen Ferienzentren des In- und Auslandes treten.Um so erfreulicher ist die Feststellung, daß in den letzten Dorfwettbewerben die Baupflege, die Erhaltung und Wiederherstellung wertvoller Bausubstanz einen auffallenden Schwerpunkt gebildet haben.Wenn sich die Gemeindegebietsreform für bisher selbständige kleine Gemeinden in manchen Fällen auch nachteilig ausgewirkt und zur Resignation geführt hat, so ist die Verlagerung der Bauleitplanung auf die höhere Stufe der Groß- oder Verbandsgemeinden ein unbestrittener Gewinn, der sich bereits vorteilhaft abzuzeichnen beginnt. Aber auch die zunehmende Verantwortung der Gemeinden gegenüber wertvollen Baudenkmälern kann herausgestellt werden. Wie der Dorfwettbewerb erkennen ließ, sind in einigen Fällen die Gebäude mancher Plätze und Straßen vorbildlich als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt worden, wie etwa der großartige fränkische Dorfanger in Bauschlott, Stadt Neulingen/Enzkreis; Fachwerke wurden wieder freigelegt und viele Gebäude vor dem Verfall gerettet und wiederhergestellt. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist auch Holzhausen, Gemeinde Dauphe-tal/Landkreis Marburg-Biedenkopf, wo der seit dem 18. Jahrhundert nachweisbare Kratzputz mit Hilfe der alten Technik an vielen Fachwerkhäusern erneuert wird.Diese Beispiele geben Hoffnung, daß die Fehlentwicklung im ländlichen Raum aufgefangen wird. Das Buch Deutsche Dörfer" kann hierzu einen guten Beitrag leisten.'^(Dr. h. c. Graf Lennart Berfiadotte) Präsidentder Deutschen Gartenbau-Gesellschaft e. V, Sprecher des Deutschen Rates für Landespflege