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Vorwort Gedichte / Wie entsteht ein Gedicht? - Thema nebst Antworten in einer Editionsreihe (edition suhrkamp). Gedichte / Wie entsteht eine Gedichtanthologie? Die hier vorliegende entstand in über zweijáhriger kontinuierlicher Arbeit. Aus dem Gedichtbestand, den unser Jahrhundert hervorgebracht hat, wurde gesamm'elt, was - ohne Frage subjektiv - interessant erschien, das heifit, die Gedichte sollten bezeichnend sein, erhellend für den Lyriker, seine Möglichkeiten und seine Epoche. Mit besonderer Vorliebe wurden sie aufgenommen, wenn sie diese ihre Epoche provozierten. Der Erfolg der Autoren bei ihren Zeitgenossen spielte keine Rolle, so dafi einerseits groCe Namen auch mit ihren bekanntesten Stücken vertreten sind, andererseits bei einigen Korypháen ihrer Tage auf allzu Geláufiges verzichtet werden konnte zugunsten heute frischer und unmittelbar wirkender Gedichte. Schliefilich stehen aber auch Lyriker in diesem Buch, die ganz vergessen oder noch nicht hinreichend bekannt sind. Spezielle Entdeckerfreuden bereitete es, in der Lyrik des Jahrhundertbeginns Inhalte und Sprecharten zu finden, die offensichtlich Keimzrellen wichtiger lyrischer Richtungen unserer Gegenwart sind. Richtungen führen weiter, verweisen zurück, lassen zurück. Die Epochen der symbolistischen und der expressionistischen Lyrik scheinen abgeschlossen. Als zurückgelassen in diesem Sinne galt bislang auch diejenige Gedichtart Stefan Georges, die massiv mit den Zeitgenossen ins Gericht geht (vor allém >Porta Nigra< und andre >Zeitgedichte<, 1906). Jedoch sind Gedichte von Enzensberger, zum Beispiel >verteidigung der wölfe gegen die lámmer< oder >ratschlag auf höchster ebene<, und von Rühmkorf (>SchluL der Audienz<, >Anti-Ikarus<) von der gleichen Intention getragen. Der prátentiöse Ton jener George-Gedichte in sogenannter ZeitschelteManier ist bei Enzensberger und Rühmkorf freilich einer mindestens ebenso veráchtlich sich áufíernden sarkastisch-nüchternen Diktion gewichen. Durchgehende Linien bis in die Gegenwart sind sichtbar in der satirisch-ironischen Richtung von Arno Holz, Morgenstern, Ringelnatz und Wedekind bis hin zu Ror Wolf und Günter Bruno Fuchs, ebenso in der naturmagischen von Lehmann, Loerke, Elisabeth Langgásser, Britting zu Brambach, Piontek, Mik-