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Vorwort
Die wissenschaftUche Zusammenarbeit mit den KoUegen imd KoUeginnen aus Südosteuropa war von Anfang an ein wichtiges Anliegen des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen. Kontakte mit der Janus-Pannonius-Universität in Pécs (Fünfkirchen) wurden schon in den ersten Jahren der Institutstätigkeit geknüpft, und Wissenschaftler aus Tübingen waren seit den achtziger Jahren des öfteren in den Archiven und Forschungseinrichtungen in Pécs anzutreffen. Die gute Zusammenarbeit kann längst an Ergebnissen gemessen werden: 1989 waren Wissenschaftler der ungarischen Partneruniversität Tübingens Referenten der ersten Tagung des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen (Thema: Das Bild der Deutschen bei den Ungam. Das Büd der Ungam bei den Deutschen). Ein Jahr später wurde in Tübingen eine Ausstellung mit deutschen Gesellenwanderbriefen eröföiet, die durch die Unterstützung des Komitatsarchivs Pécs zustandegekommen war. Studentengruppen aus Tübingen untemahmen wissenschaftliche Exkursionen nach Pécs und Umgebung, und im Jahre 1994 galt die Jahrestagung in Tübingen dem Thema "Die Schwäbische Türkei. Nationalitäten und Lebensformen in Südungam". Inzwischen ist der Tagungsband erschienen imd hat sich als ein guter Beitrag zur Erforschung von Entwicklungszusammenhängen in der Schwäbischen Türkei erwiesen.
Die Voraussetzungen für weitere gemeinsame Vorhaben von Tübingen imd Pécs waren günstig. Als 1995 die 225-JahTfeier der Gemeinde Großnaarad (Nagynárad) gefeiert wurde, wirkten Mitarbeiter des Tübinger Instituts im Rahmenprogramm, dem wissenschaftlichen Symposium, mit. Der Veranstalter der Jubüäumsfeier von Großnaarad ist heute Leiter des Lenau-Hauses m Pécs. Er trat 1996 an das Institut heran und bat darum, daß von Tübingen aus die zweite Tagung mit literaturwissenschaftlicher Thematik, "Deutsche Literatur im Donau-Karpatenraum", vorbereitet wird; für die technische Umsetzung dieser Initiative ist Herrn Johann Habel zu danken. Beabsichtigt wurde, aufzuzeigen, wie sich politische Ver-ändemngen auf die literarische Entwicklung und auf die Einzelautoren der ungamdeutschen Minderheit auswirken. Angestrebt war auch, Germanisten mehrerer ungarischer Universitäten nach Pécs zu bringen. Man kaim heute feststellen, daß der Versuch gelungen ist. Aus Budapest, Miskolc und Veszprém reisten ungarische Wissenschaftler an. Andere Tagungsteilnehmer kamen aus dem nahen Kroatien und selbstverständlich aus Deutschland. Trotz der kurzen Vorbereitungszeit war das große Interesse an der Thematik ebenso erfreulich, wie es im Sinne des Tübinger Instituts und des Lenau-Vereins war, daß viele junge Referenten und Referentinnen an den Arbeiten der teilnahmen. Die in Pécs gehaltenen Referate sind in unserem Materialienband vereint. Neben den verdienstvollen Vertretem der ungarischen Germanistik (Szende, Szendi) fmdet man die Arbeiten der jungen Wissenschaftler (Balogh, Cseresznyés, Szabó, Tóth, Soukop), die Beiträge aus Tübingen (Fata, Fassel), außerdem die des Magdeburger Gastes (Lambrecht) und des Kölner Schriftstellers (Brantsch). Insgesamt ist dies ein Schritt in die richtige Richtung: die Entwicklung des deutschsprachigen Schrifttums in Ungam soU in unterschiedlichen Zeiträumen und unter unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen untersucht und dargestellt werden. In Zukunft wird daim die heute noch fehlende Überblicksdarstellung dieser RegionaUiteratur vorgelegt werden kötmen. Es ist ein Vorhaben, für das vor allem die jungen Wissenschaftler aus Tübingen und Pécs, aus Deutschland und Ungam Beiträge erbringen köimen.
Horst Förster