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AUS DEM VORWORT ZUR ERSTEN AUFLAGE
Die 1907 zum erstenmal erschienene Rackl-Ebnersche „Deutsche Literaturgeschichte" erwies sich von allem Anfang an als ein brauchbares und gern verwendetes Buch. Nach dem Tode der beiden Verfasser (Dr. Josef Rackls 1915 und Dr. Eduard Ebners 1924) übernahm Dr. Karl Hunger (f 1946) die Neubearbeitung, die sich dank ihrer wissenschaftlichen Zuverlässigkeit bis 1940 bewährte.
Als daher abermals die Zeit für eine Neubearbeitung der Literaturgeschichte gegeben schien, sah ich mich vor die Entscheidung gestellt, entweder ein völlig neues Buch zu gestalten oder auf das bis 1933 wohlerprobte Buch zurückzugreifen. Dessen Vorzüglichkeit legte mir die letzte Auffassung nahe. Es handelte sich dabei um zweierlei, wenn eine Neubearbeitung gerechtfertigt sein sollte: um den Stoff und um die Darbietung.
Was den Stoff angeht, so mußte er einmal mit der neuen, uns durch die Lehren der Zeit bitter nahe gelegten Auffassung in Einklang gebracht werden. Soweit dies auch in der Literaturgeschichte Ausdruck zu finden hat, ist es in die neue Fassung eingebaut. Zum andern war zu überlegen, was an Altem zugunsten des Neuen geopfert werden könnte. Aber bei der bisherigen, an sich schon knappen Fassung war nur wenig zu streichen. Wenn natürlich auch mit der Annäherung an die Gegenwart der Strom der Darstellung breiter fließt, darf doch auch das Wichtigste aus der Vergangenheit nicht gar zu dürftig bemessen werden (ich denke z.B. an Klopstock und die Vorklassiker überhaupt); denn die meisten unserer Schüler kommen damit später kaum mehr in Berührung. Weil auch die allerneueste Zeit zu ergänzen war, so konnte nach dieser Richtung der Umfang kaum wesentlich eingeschränkt werden.
Wenn er im Gegenteil noch etwas zugenommen hat, so liegt dies an der Darbietung. Es ist mit der bisherigen Art der Behandlung der Literaturgeschichte gebrochen: daß diese nämlich dem Schüler etwas Fertiges bietet und sich selbst so in den Übeln Geruch eines „Lernfaches" bringt. Daher versuchte ich die induktive Methode anzuwenden. Daß auch dies nur eine Annäherung an das gewünschte Ziel ist, liegt in den Umständen begründet und ist nicht zu umgehen. Unter allen Umständen war es mein Bestreben1, keine bloßen Namen von Autoren und Werken zu geben, sondern die ersten durch Proben lebendig werden zu lassen, wenn auch nur knapp, und die letzten wenigstens kurz ihrem Inhalt nach zu skizzieren; das kann zwar die Lektüre nicht ersetzen, vermittelt aber doch wenigstens dem Schüler eine ungefähre Vorstellung, da er ja noch weniger als der Lehrer alle
1 Es konnte dies freilidi in den folgenden Aufligen wegen der Fülle neuandrängender Autoren und Werke nidit mehr ganz eingehalten werden.