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EINLEITUNG
Die vorliegende Anthologie will das v^ertvollste lyrische Gut deutscher Dichtung vom Barock bis zur Gegenwart sammeln. Ihr Erscheinen bedarf in unseren Tagen, da so vielen, und mit den Besten, der Weg zum Gesamtwerk der Dichter aus äußeren Gründen verschlossen ist, keiner Rechtfertigung.
Jede Zeit wägt aufs neue die dichterischen Gaben der Vergangenheit. Und sie horcht hin, welchen lyrischen Tönen ihre Seele antwortet. Manche Dichtung glänzt uns wieder auf, und was vor kurzen Jahren noch dem kaum vergangenen Geschlechte schön und bedeutsam erschien, ist uns klein und dürftig geworden.
So mag es denn nicht erstaunlich sein, in einer Zeit, deren Gebärde dem Barock so verwandt ist, die Dichter des siebzehnten Jahrhunderts wieder zu hören. Ihrer Kraft und Größe mußten jene weichen, die noch immer mit ihrer Dürftigkeit und ihrer Verarmung Sammelbände leer lassen.
Klopstock wird der Gegenwart nicht mehr nur Schulgespenst bleiben können, und Hölderlins Götterlicht strahlt immer heller über die Nacht seines einstigen Vergessenseins. Schiller wird man in einer lyrischen Anthologie nicht mehr reich vertreten suchen. Deren Mitte aber wird immer Goethe bleiben. Da ist, wie bei Mörike, Fülle; und Auswahl wird Einengung. Dennoch bleibt, was die kleine Schale aus der Fülle schöpft, Wein süßesten Wohllauts.
In der Wertung Lenaus und Heines glaubte unsere Sammlung auch auf die Gedichte verzichten zu können, denen Vertonung Dauerleben geschaffen hat.