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Kleist
Die Marquise von 0.
In M., einer bedeutenden Stadt im oberen Italien, ließ die verwitwete Marquise von O., eine Dame von vortrefflichem Ruf und Mutter von mehreren wohlerzogenen Kindern, durch die Zeitungen bekanntmachen : daß sie ohne ihr Wissen in andre Umstände gekommen sei, daß der Vater zu dem Kinde, das sie gebären würde, sich melden solle; und daß sie aus Familienrücksichten entschlossen wäre, ihn zu heiraten. Die Dame, die einen so sonderbaren, den Spott der Welt reizenden Schritt beim Drang unabänderlicher Umstände mit solcher Sicherheit tat, war die Tochter des Herrn von G., Kommandanten der Zitadelle bei M. Sie hatte vor ungefähr drei Jahren ihren Gemahl, den Marquis von O., dem sie auf das innigste und zärtlichste zugetan war, auf einer Reise verloren, die er in Geschäften der Familie nach Paris gemacht hatte. Auf Frau von G.s, ihrer würdigen Mutter, Wunsch hatte sie nach seinem Tode den Landsitz verlassen, den sie bisher bei V. bewohnt hatte, und war mit ihren beiden Kindern in das Kommandantenhaus zu ihrem Vater zurückgekehrt. Hier hatte sie die nächsten Jahre mit Kunst, Lektüre, mit Erziehung und ihrer Eltern Pflege beschäftigt, in der größten Ein-
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