Bővebb ismertető
Reisende können den Weg zum Gipfel des Monte
Generoso in Mendrisio antreten oder in Capolago
mit der Zahnradbahn oder von Melide aus über So-
ana, wo er am beschwerlichsten ist. Das ganze Gebiet
gehört zum Tessin, einem Kanton der Schweiz,
dessen Bevölkerung italienisch ist.
In großer Höhe trafen Bergsteiger nicht selten auf
die Gestalt eines brilletragenden Ziegenhirten, dessen
Äußeres auch sonst auffällig war. Das Gesicht ließ
den Mann von Bildung erkennen, trotz seiner ge-
bräunten Haut. Er sah dem Bronzebildnis Johannes
des Täufers, dem Werke Donatellos im Dome zu
Siena, nicht unähnlich. Sein Haar war dunkel und
ringelte über die braunen Schultern. Sein Kleid
bestand aus Ziegenfell.
Wenn ein Trupp Fremder diesem Menschen
nahe kam, so lachten bereits die Bergführer. Oft
wenn dann die Touristen ihn sahen, brachen sie in
ein ungezogenes Gebrüll oder in laute Herausfor-
derungen aus: Sie glaubten sich durch die Seltsam-
keit des Anblicks berechtigt. Der Hirte achtete
ihrer nicht. Er pflegte nicht einmal den Kopf zu
wenden.
Alle Bergführer schienen im Grunde mit ihm auf
gutem Fuße zu stehn. Oft kletterten sie zu ihm hin-
über und ließen sich in vertrauliche Unterredungen
ein. Wenn sie zurückkamen und von den Fremden
gefragt wurden, was da für ein seltsamer Heiliger sei,
taten sie meist so lange heimlich, bis er aus Gesichts-
weite war. Diejenigen Reisenden aber, deren Neugier
dann noch rege war, erfuhren nun, daß dieser
Mensch eine dunkle Geschichte habe und, als „der
Ketzer von Soana" vom Volksmund bezeichnet,