Bővebb ismertető
Ein Blick in die Lesebücher zeigt, daß die Volkssage meist in einer Form repräsentiert ist, die dem Typus der aus volkstümlicher, mündlicher Überlieferung hervorgegangenen Erzählung nicht entspricht. Häufig werden unter dem Gattungsbegriff die verschiedenartigsten Formen: Götter- und Heldensage oder isländische Sagas, subsumiert oder Volkssagen in einer stilistisch überarbeiteten Form dargeboten, die von ihrem Sprachduktus, ihrer formalen und inhaltlichen Eigenart nichts mehr ahnen lassen. Der Grund dafür ist in einer Didaktik zu suchen, die Sagen als Vehikel für den Lese- oder Aufsatzunterricht benutzt, aber keine gegenstandsspezifischen Konzeptionen entwickelt hat, die der Sage als tradierter populärer Erzählform gerecht würden.1 Aus der mündlichen Überlieferung aufgezeichnete Sagen weisen in der Regel fast alle Merkmale eines restringierten Codes auf; dadurch wird ihre Verwendungsmöglichkeit im Unterricht meist stark eingeschränkt. Auf der anderen Seite spiegelt die Sage ungleich stärker als das Märchen populäre Glaubensvorstellungen, kulturelle Bedingungen und die Weltsicht des Erzählers wider und ist von daher eine wichtige Quelle für kollektive Einstellungen und kulturelle Determinanten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Texte aus der mündlichen Überlieferung vor einem fachwissenschaftlichen Hintergrund zu sehen, denn nur so lassen sich gegenstandsspezifische didaktische Fragestellungen entwickeln. Die vorliegende Auswahl von Texten will zunächst weitgehend unbearbeitete Volkssagen für den Unterricht bereitstellen und Beispiele für die verschiedenen Gruppen der Sage darbieten. Ein weiterer Teil bringt literarische Texte, in denen Sagenmotive verarbeitet bzw. poetisch gestaltet 1. Vgl. L. Petzoldt, Volksliteratur im Lesebuch: Aporien einer Didaktik, in: Direkte Kommunikation und Massenkommunikation, Tübingen 1976, S. 75-87.