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I. HINDELANG UND DIE GROSSMUTTER
Meine ersten Lebenserinnerungen reichen weit zurüdc. Eines Tages nahm mich der Großvater bei der Hand zu einem großen Spaziergang. Sein Hund Bleß, ein weißer, schwarzgefleckter, kurzhaariger Schweißhund, ging mit. An allen Häusern, an denen wir vorbeikamen, grüßten die Leute und bestaunten midi, daß ich so weit laufen könne. Ich erinnere midi ihrer gut. Nadi einiger Zeit kamen wir an einen breiten flußähnlichen Bach, über den ein sdimaler, etwas wackeliger Holzsteg führte, so daß mir der Großvater Mut zusprach. Aber auf der Mitte des Steges, gerade da, wo das Wasser am reißendsten war, warf er einen kleinen Baumast in das Wasser, dem sofort Bleß folgte, um zu apportieren. Als dieser mit dem reißenden Wasser kämpfle und von der Strömung abgetrieben wurde, fing ich jämmerlich zu weinen an, weil ich glaubte, er käme ums Leben. Der Großvater tröstete mich, und um so größer war meine Freude, als der Hund bald das Ufer gewann, sich schüttelte, das Holz dem Großvater vor die Füße legte und bellend ihn aufforderte, es wieder in den Bach zu werfen. Nachher kamen wir gleich in die „Lange Wiese". Das war die schönste Wiese, die der Großvater besaß. Sie zog sich am Fuß des Imberger Horns weit hinauf bis an die Grenze eines alten, dichten, wildreichen Waldes, von dem auch noch ein Stück dem Großvater gehörte. Die „Lange Wiese" spielte später noch viele Jahre eine große Rolle in meinem Leben. Denn da sie am Fuße jenes Berges gegen Norden lag, so fing im Herbste die Sonne an, für sie kurz zu werden. Und als nach dem Tode des Großvaters die Großmutter die Wirtschaft über den großen Betrieb führte und später, als sie mit diesem auch die „Lange Wiese" an den „Herrn Schwiegersohn" abgetreten hatte, war es ihre jährliche Sorge, daß das erste Heu, „die Omaden", dort rechtzeitig gemäht würde und die Heuer nicht zu lässig bei der Arbeit wären. Regnete es aber in der zweiten Hälfte August tagelang, dann konnte sie sich kaum beruhigen und jammerte vor sidi hin: „Aber die schönen Omaden in der Langen Wies". Damals aber bei meinem ersten Besuch war das Gras größer als ich, so daß ich nicht darüber hinwegsehen konnte. Und die Leute wunderten sich so über den langen Weg, den ich mit dem Großvater unternahm, weil ich eben gerade gehen gelernt hatte. Idi war also etwa IV2 bis 2 Jahre alt. Als wir