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In der deutschen und österreichischen Kunst des 18. Jahrhunderts war die Zeichnung zunächst ein organischer Bestandteil des Arbeitsprozesses, des Kunstschaffens im hergebrachten Sinn, trat aber bald mit dem Anspruch und den Eigenschaften eines selbständigen Kunstwerkes auf. Im Laufe des Jahrhunderts wurde der Aufgabenkreis und die Erscheinungsform der Zeichnung und der Graphik immer reicher; sie lösten sich von der engeren Werkstattgebundenheit, kamen auch außerhalb des unmittelbaren Schaffenskreises zu Bedeutung und im gleichen Maße erweiterten sich ihr Themenkreis und ihr gesellschaftlicher Wirkungsradius.
Das Zeichnen galt im 18. Jahrhundert als ein Wesenselement der künstlerischen Tätigkeit und wurde als Grundlage der künstlerischen Ausbildung angesehen. Im traditionellen zunftmäßigen Kunstunterricht, aber auch in der im 18. Jahrhundert schon dominierenden akademischen Ausbildung wurde der Zeichenkunst und der Praxis im Zeichnen die größte Bedeutung beigemessen. Die zeitgenössischen Künstler, Kritiker und Kunstfreunde betonten einstimmig, daß ein Maler oder Bildhauer sich nur nach mehrjähriger Übung im Zeichnen an eine wahrhaft schöpferische Arbeit heranwagen dürfte. „Wer malen will, darf vor zehnjähriger Übung im Zeichnen keinen Pinsel anrühren", schrieb gegen Ende des Jahrhunderts der Tiroler Martin Knoller, und im gleichen Sinn äußerte sich der Kremser Martin Johann Schmidt: „ ohne die Zeichnung ist es nicht möglich, in der Malerey fortzukommen". Der angehende Malerlehrling mußte zu Beginn geometrische Figuren zeichnen, durfte dann zu den Umrissen des menschlichen Körpers übergehen, danach Kopien von den Zeichnungen und Stichen seines Meisters anfertigen, später antike Bildwerke zeichnerisch nachbilden, und dann erst durfte er nach dem Modell oder nach der Natur zeichnen. Die Studienzeichnungen, denen man am häufigsten im akademischen Unterricht begegnet, nannte man im 18. Jahrhundert allgemein „Akademien". Auch in unserer Sammlung sind solche vorhanden, zum Beispiel Bergmüllers Figuren- und Bewegungsstudien, die er an der Augsburger Akademie 23 zeichnete. Die akademischen Studienzeichnungen sind meistens sorgfältig mit Kohle, Kreide oder Bleigriffel ausgeführt und weisen oft - zuweilen von dem Meister stammende - Korrekturen auf. Vom praktischen Arbeitsvorgang, wie gezeichnet wurde, geben uns Berichte aus der Zeit ein klares Bild. Besonders anschaulich ist zum Beispiel eine Aufzeichnung über die Methode des in Wien tätigen und an der Gründung und Leitung der Akademie maßgeblich beteiligten Peter Strudel : „II commence a crayonner plusieurs esquisses; puis a poster un mannequin a l'attitude, qui lui vient convenable, il tâche de lui accommoder les draperies amples et avec grâce cela fait, il tire en grand ce qu'il a tracé en petit avec l'aide d'une grille marquée sur la toile imprimée et sur le dessin déterminé, il passe outre a son ouvrage." So arbeiteten die Künstler im allgemeinen, stellt der zeitgenössische Autor, der Düsseldorfer G. B. Rapparini, fest. Tatsächlich begegnen wir dieser Arbeitsweise, dem gleichen Vorbereitungsprozeß des Werkes, bei den meisten Malern des 18. Jahrhunderts, besonders bei den akademisch ausgebildeten und den Meistern der Monumentalmalerei.
Zur Vervollständigung der akademischen oder auch der in der Zunft genossenen Ausbildung unternahmen die Meister des 18. Jahrhunderts im allgemeinen größere Wanderschaften, in deren Verlauf sie sich mit den künstlerischen Schöpfungen anderer Länder - allen voran mit denen Italiens - bekanntmachten und Einblick in die neueren künstlerischen Bestrebungen gewannen. Während ihrer Studienfahrten machten die Gesellen regelmäßig Zeichnungen von Kunstwerken, Landschaften und Menschen, die sie ihr Leben lang in ihren Skizzen- und Vorlagebüchern bewahrten, um gelegentlich Gebrauch von den Zeichnungen zu machen.
An die zu Studienzwecken angefertigten Zeichnungen schlössen sich Skizzen über die einzelnen Arbeitsphasen an, zu denen oft die Studienzeichnungen mitbenutzt wurden. Den verschiedenen Abschnitten des schöpferischen Prozesses entsprechend, begegnen sie uns in zahlreichen Varianten. Die Meister des 18. Jahrhunderts arbeiteten überwiegend auf Bestellung, in Ausführung eines bestimmten Auftrags. Dabei richteten sie sich nach vorher bestimmten Voraussetzungen und hielten sich an die festgelegten Darstellungen. Der Wunsch des Auftraggebers war ausschlaggebend, mochte es sich um ein Deckengemälde, ein Altarbild, eine allegorische oder um eine mythologische Darstellung handeln. Der Maler entwickelte
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