Bővebb ismertető
DIE ENTWICKELUNG DER DEUTSCHEN WOHNUNG
Das Feuer im Hause, auf dem Herd, im Kamin oder im Ofen, isoliert die Wohnstätte von ihrer natürlichen Umgebung. Es schafft ein „Drinnen" gegenüber dem „Draußen", das umsomehr an Bedeutung gewinnt, je unfreundlicher, je feindlicher der Himmel und je gründlicher die Abschließung. Behaglich und friedlich wird alles im Räume, das teil hat an der Wärme; enger rücken die Bewohner um das knisternde Feuer zusammen und schauen gedeckt und erwärmt durch die Scheiben in die Kälte und Nässe der Außenwelt.
Technisches Können, Lebensgewohnheiten und Geschmack, stetig wechselnde Faktoren, bedingen die Art der Abschließung des Raumes und damit seine Entwicklung. Diente das Bauernhaus ohne Fenster oder die Burg mit kleinen scheibenlosen Lichtöffnungen dem wettergewohnten Jäger, Krieger oder Ackersmann als Ruhestätte und schützende Zuflucht, suchten Handwerker, Kauf- und Edelleute des späteren Mittelalters in engen Stadthäusern oder ernsten Schlössern Ruhe nach Reise und Kriegsfahrt, jene wohlige Behaglichkeit, die der lärmenden Werkstatt wie dem dumpfen Warengewölbe fehlt. Und im Barockpalast, dem Rokoko-schlößchen und Biedermeierhause gelingt es mehr und mehr, bei aller Sicherung vor den Unbilden des Wetters doch Licht und Luft so reichlich der Wohnung zuzuführen, daß selbst für empfindlichere Menschen ein gesunder und schöner Aufenthalt zu dauerndem Verweilen geschaffen wird.
Die Wirkung eines Raumes bestimmen Form und Licht, Maßstab und Farbe. Die Form, das Produkt aus Grundfläche, Wand- und Deckenbildungen hängt von der Lage des Raumes, seiner äußeren Gestalt und erst in zweiter Linie von seinen Zwecken ab; sie gewinnt bei monumentalen Raumgestaltungen besondere Bedeutung und wird durch den Maßstab, d. h. durch das Verhältnis unserer Person mit der Raumumgebung, wesentlich beeinflußt. Das Licht, die Verteilung und Ausnützung der natürlichen und künstlichen Lichtquellen, ist die Seele des Raumes, die das tote Gebilde belebt, während die Farbe, eine unmittelbare Folge des Lichts und doch oft als selbständig künstlerisches Moment von ausschlaggebender Bedeutung, dem Räume die nötige Stimmung verleiht. Auch der Mensch, der jedem
Zimmer, das er bewohnt, etwas von seiner Individualität aufprägt und dadurch den architektonischen Eindruck zu steigern vermag oft aber auch verwischt, beeinflußt die ästhetische Wirkung des Raumes. Der Stil dagegen spielt nur insofern eine Rolle, als er je nach den geschmacklichen Forderungen und Lebensgewohnheiten der verschiedenen Zeiten die einzelnen raumbildenden Faktoren in ihrer Stellung zueinander verschiebt und dadurch immer neue Wirkungen und Steigerungen ermöglicht.
Der rein abschließende Charakter von Wand, Boden und Decke zum Schutze des Feuers ist im ältesten Wohnraum Hauptsache. Das Einheitshaus blieb zunächst noch unbekannt; brachten es die Lebensgewohnheiten des Bewohners mit sich, daß ein Raum zum Wohnen und Schlafen nicht genügte, wurden auf umzäumtem Platze mehrere einräumige Baulichkeiten erstellt, von denen jede mit einer Feuerstelle als Mittelpunkt besonderen Wohn- und Wirtschaftszwecken, als Männersaal, Frauenhaus, Schlafsaal, Küche, Bade- oder Backhaus diente. Solch differenzierte Art des Wohnens hat sich bis ins Mittelalter hinein in den Baugruppen der Burgen und geistlichen Niederlassungen erhalten.
Die Einräumigkeit des Hauses findet sich noch heute im altsächsischen Bauernhofe, wo die Diele mit oder ohne „Flett" (querliegende Wohndiele) und der Feuerstelle inmitten des Lehmschlags als Küche, Wohn- und Schlafstube benützt wird und erst spät durch die „Dönze" (heizbare Stube), durch Kammern und in den Marschen durch den „Pesel", das Staatszimmer, ergänzt und erweitert wurde. In Oberdeutschland wandelte sich der „Ehren", der den Herd umschließende, ursprünglich bis zum Dach offene und durch Dachlucken beleuchtete Hauptraum des ältesten Bauernhauses, schon früh durch Abtrennung der Küche und der heizbaren Wohnstube zum wenig benutzten Hausflur.
Die Vereinigung verschiedener Räume in einem oft mehrgeschossigen Hause war in den gallisch-fränki-schen Städten bereits allgemein üblich. Eine vornehme Einzelwohnung karolingischer Zeit zeigt der Bauriß von St. Gallen (von 830) in seinem Abtshause. In der Längsaxe reihen sich die beiden, je von den Giebelseiten aus zugänglichen Wohnräume
V