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Deutsches Wörterbuch [antikvár]

Hermann Paul

 
AUS DEM VORWORT ZUR ERSTEN AUFLAGE Das Werk wendet sich an alle Gebildeten, die ein Verlangen empfinden, ernsthaft über ihre Muttersprache nachzudenken. In erster Linie habe ich an das Bedürfnis der Lehrer gedacht, die Unterricht im Deutschen zu erteilen haben. Auch dem fremdsprachlichen Unterricht könnte es bei richtiger Verwertung wesentliche Dienste leisten. In der Einrichtung weicht es von allen bisher vorhandenen Wörterbüchern ab. Es verzichtet auf eine vollständige Aufzählung sämtlicher Wörter und Wortbedeutungen,...
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AUS DEM VORWORT ZUR ERSTEN AUFLAGE Das Werk wendet sich an alle Gebildeten, die ein Verlangen empfinden, ernsthaft über ihre Muttersprache nachzudenken. In erster Linie habe ich an das Bedürfnis der Lehrer gedacht, die Unterricht im Deutschen zu erteilen haben. Auch dem fremdsprachlichen Unterricht könnte es bei richtiger Verwertung wesentliche Dienste leisten. In der Einrichtung weicht es von allen bisher vorhandenen Wörterbüchern ab. Es verzichtet auf eine vollständige Aufzählung sämtlicher Wörter und Wortbedeutungen, insbesondere der selbstverständlichen Ableitungen und Zusammensetzungen, sowie auf überflüssige Erklärung des allgemeinverständlichen. Schwierig war es natürlich, bei dieser Beschränkung immer die richtige Grenze innezuhalten, die ja auch nicht für jeden Benutzer des Werkes ganz die gleiche sein kann, und es ist unvermeidlich, daß man bald etwas vermissen, bald etwas entbehrlich finden wird. Doch war es mir nur so möglich, bei verhältnismäßig geringem Umfange Raum zu gewinnen für das, worüber Aufklärung zu erhalten ein wirkliches Bedürfnis besteht. Schon ziemlich beträchtlich sind die Abweichungen von dem jetzigen Sprachgebrauch bei den klassischen Schriftstellern des vorigen Jahrhunderts. Auf diese Abweichungen hinzuweisen, bin ich besonders bemüht gewesen. Auch die noch viel bedeutenderen der Lutherschen Bibelübersetzung sind möglichst vollständig berücksichtigt. Jedoch nicht die Belehrung über Einzelheiten, wie sie jedermann gelegentlich entgegentreten und ihn veranlassen können, sich Rats zu erholen, ist es, was ich mir als Hauptaufgabe gestellt habe. Das Werk ist nicht bloß zum Nachschlagen bestimmt, sondern auch zum fortlaufenden Lesen. Es kam mir darauf an, die einzelnen Tatsachen des Wortgebrauches möglichst in einen historischen und psychologischen Zusammenhang einzureihen. Zunächst mußte bei allen Wörtern, die überhaupt eine Mannigfaltigkeit der Verwendung zeigen, das Verhältnis der verschiedenen Verwendungsweisen zueinander dargelegt werden. München, den 28. Oktober 1896 Hermann Paul ZUR FÜNFTEN AUFLAGE Die Neubearbeitung, die mir 1940 übertragen und durch Krieg und Nachkriegszeit verzögert wurde, baut auf der bewährten und vielfach anerkannten Eigenart des Paulschen Wörterbuches auf. Sie versucht zugleich, mehr als eine Generation nach Paul, das Wörterbuch im Paulschen Sinne weiterzuführen und auszugestalten. Die Umgangssprache wird noch stärker berücksichtigt, wie es auch ihrem ständigen Vordringen in neue Anwendungsbereiche entspricht. Zugleich aber gilt ein besonderes Interesse der VI Sprache Goethes: die Beispiele und Erklärungen für seinen Sprachgebrauch sind beträchtlich vermehrt worden. Die Paulschen Bedeutungsgesehichten wurden erweitert durch Hinweise auf die innere europäische Sprachangleiehung in Gestalt der Lehnprägung. Wichtige Neubildungen und Neuverwendungen der letzten Jahrzehnte wurden aufgenommen. Auch die Stilebene der Wörter wurde je nach Notwendigkeit noch häufiger angegeben. Die wortgeographischen Hinweise wurden vermehrt und nach Möglichkeit noch bestimmter gefaßt. Ein Fremdwörterbuch will und kann auch die Neuauflage nicht sein, aber auch in der Aufnahme von Fremdwörtern wurde weitherziger verfahren. Die etymologischen Hinweise müssen weiterhin knapp bleiben, aber auch sie wurden ergänzt. Für manche Besserung habe ich den Mitgliedern meiner Bonner und Münchner Wortgeschiehtliehen Seminare zu danken. Von der 4. Lieferung an hat Wilhelm Wissmann, dem das Grimmsche Wörterbuch in den letzten Jahrzehnten seine etymologischen Köpfe verdankt, eine Korrektur mitgelesen. Seiner kaum zu ermüdenden Hilfsbereitschaft und Kenntnis verdankt auch der neue Paul manche Bereicherung. Das Hauptziel des Buches bleibt nach wie vor im Sinne von Hermann Paul die Bedeutungsgeschichte und damit zugleich ein sehr modernes Ziel: die diachronische und synehronische Semantik des Deutsehen. So könnte das Buch auf alte und neue Art vom Nachsehlagen zum Lesen führen. München, den 7. Mai 1966 Werner Betz ZUR SECHSTEN AUFLAGE Es gibt viele deutsche Wörterbücher, und auch manchen deutschen Lesern sind wohl die Unterschiede nicht immer klar. Manche keimen vielleicht sogar nur den Duden, der ein Recht-schreibewörterbuch ist und in dem man erfährt, ob man Mine oder Miene, Grieß oder Gries schreiben soll, etymologisch oder ethymologisch (wie es sich seit gewissen Studienreformen auch bei manchen Germanistikstudenten durchgesetzt zu haben scheint). Solche Rechtschreibauskunft kann man auch in diesem Wörterbuch erhalten, dazu aber noch etwas mehr: die Geschichte des Wortes, insbesondere seine Bedeutungsgeschichte, daß also albern einmal „ganz aufrichtig und gütig'' bedeutete, überflüssig noch bei Lessing , ,(über)reichlioh'' und Gewerkschaft erst seit 1868 aus einem ursprünglich ökonomisch-montanistischen zu einem sozialpolitischen Terminus geworden ist. Darüber hinaus berücksichtigt dieses Wörterbuch noch in besonderer Weise die Sprache Goethes: z.B. findet sieh seine Prägung unbehaust bisher in keinem anderen deutschen Wörterbuch (außer im großen Grimm und einem reinen Reehtschreibwörterbueh natürlich). Dieses Wörterbuch ist kein etymologisches Wörterbuch, aber es gibt einen notwendigen Grundstock an Etymologie. Weitere etymologische Auskunft für das Deutsche kann man z.B. in dem von mir bearbeiteten „Woher" erhalten: während hier im bedeutungsgeschichtlichen Wörterbuch nur auf die lat. und griech. Entsprechungen centum und helcaton hingewiesen wird, werden dort die weiteren idg. Entsprechungen genannt wie u.a.: tochar. känt, aind. Satäm, russ. sto, lit. szimtas. Was unter vielem anderem noch fehlt, ist z.B. ein neues deutsches Wörterbuch, das Geschichte, Synonymik und Antonymik konzentriert und mit starker Berücksichtigung der Gegenwartssprache vereint. Ein solches würde also dieses Wörterbuch ebenso wie das etymologische „Woher" ergänzen, wie es seinerseits von diesen beiden wiederum ergänzt würde. Das Ziel des großen Deutschen Wörterbuchs, wie es Jacob Grimm vorschwebte, ist heute nicht mehr mit einem Wörterbuch zu erreichen, aueh in diesem viel bescheideneren Umfang nicht. München, den 11.Mai 1968 Werner Betz

Termékadatok

Cím: Deutsches Wörterbuch [antikvár]
Szerző: Hermann Paul
Kiadó: Max Niemeyer Verlag
Kötés: Vászon
Méret: 180 mm x 260 mm
Hermann Paul művei
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