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VORWORT ZUR AUSGABE 1975
D as DEUTSCHE WÖRTERBUCH will jedem an der deutschen Sprache Interessierten ein Instrument in die Hand geben, das es ihm ermöglicht, mit unserer Sprache sinnvoll umzugehen. Insbesondere sollen die Bedeutung der Wörter und ihre Verwendungsmöglichkeit im lebendigen Sprachzusammenhang, Rechtschreibung, Silbentrennung und Aussprache eindeutig und fürjeden verstándlich dargestellt werden. Der Wortschatz der Dichter und Philosophen, aber auch die Umgangssprache und gedankenlos gebrauchte falsche Ausdriicke sind bei der Bearbeitung berücksichtigt und entsprechend gekennzeichnet worden. Der historischen Entwicklung des Wortschatzes ist reichlich Raum gegeben, damit die Herkunft der Wörter und ihre Verwandtschaft untereinander jedem Benutzer dieses Werkes deutlich werden. Die Sprache besteht aber nicht aus einer einfachen Aneinanderreihung von Wörtern, und die Bedeutung eines Satzes ist nicht eine Summe von Wortbedeutungen. Das Wort ist stets nur ein Teil eines gröBeren Zusammenhangs, Teil einer sprachlichen oder dichterischen ÁuBerung, ein Element im System der Sprache, die es dem Menschen ermöglicht, seinen Mitmenschen eine fast unendliche Füllé von Gedanken mitzuteilen. Dieses System ist nach bestimmten - von Sprache zu Sprache verschiedenen - Regein auf-gebaut und würde ohne diese Regein im Chaos enden. Deshalb ist dem DEUTSCHEN WÖRTERBUCH ein „Lexikon der Deutschen Sprachlehre" vorangestellt, damit es dem Benutzer möglich wird, die Bau-steine des eigentlichen Wörterbuches sinnvoll zu verwenden. In diesem Lexikon sind die wichtigsten Regein zur Grammatik, Rechtschreibung, Silbentrennung und Zeichensetzung in rund 270 Einzelartikeln abgehandelt.
Aber nicht nur hier, sondern auch im Wörterbuch selbst zeigt es sich, daB die Wörter erst in einem stándigen Miteinander Gewicht und Bedeutung erlangen und somit „Sprache" werden. Besonderen Wert legen deshalb die Verfasser dieses Wörterbuches darauf, Beispiele des lebendigen Sprachgebrauchs vorzulegen. Man schlage nur einmal Artikel wie „Auge" oder „gehen" nach, um zu ermessen, welcher Vielfalt von Ausdrucksmöglichkeiten unsere deutsche Sprache fáhig ist. Um dieser Füllé von Wendungen Herr zu werden, war es notwendig, die einzelnen Wortartikel streng nach einheitlichen Gesichtspunkten zu gliedern, die es möglich machen sollen, eine Redewendung in einem gröBeren Artikel ohne Mühe zu finden. Dieses System wurde von mir völlig neu erarbeitet, und ich hoffe, daB es dem Benutzer dieses Werkes die Arbeit des Nachschlagens und Suchens wesentlich erleichtern wird. Die Gliederung der Wortartikel beruht auf der Einsicht, daB es nicht möglich ist, ein rein formales System wie die alphabetische Anordnung der Wörter in einem Wörterbuch plötzlich aufzugeben, wenn es sich darum handelt, Redensarten in einem Artikel zu einem Wort in einer bestimmten Reihenfolge anzuordnen. Bisher wurden in solchen Fállen Ordnungs-prinzipien von „zentraler" zu „peripherer" Bedeutung oder von „allgemeiner" zu „besonderer" Bedeutung oder sogar von (historisch) „ursprünglicher" zu neuerer und „übertragener" Bedeutung gewáhlt. Alle diese Prinzipien beruhen auf der Ansicht, daB ein Wort eine seibstándige Einheit mit einer eigenen Bedeutung ist, und nehmen nicht zur Kenntnis, daB sich die Bedeutung des Wortes als Tráger einer Mitteilung nur im lebendigen sprachüchen Zusammenhang und im Hinblick auf ein Gemeintes manifestieren kann. Ich habe mich deshalb dazu entschlossen, die Wortartikel vom Satzzusammenhang ausgehend nach rein formalen Gesichtspunkten aufzubauen, und zwar werden an erster Stelle alle diejenigen Bedeutungen eines Wortes angeführt, die es habén kann, wenn das Wort für sich alléin betrachtet wird. Dann folgen jeweils die Redewendungen; bei lángeren Artikeln sind dann die Wörter, die mit dem Stichwort zusammen eine