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Kommentare und aktuelle Beiträge Frauen und Arbeitsmarkt Gisela Helwig Die Stimmung in den neuen Bundesländern ist derzeit noch schlechter als die Lage. Unerträglich erscheint vielen die Kluft zwischen Erwartung und Realität. Das Versprechen, im geeinten Deutschland werde es niemandem schlechter gehen, klingt insbesondere den fast drei Millionen Arbeitslosen und Kurzarbeitern nachträglich wie Hohn in den Ohren. Manche sehnen sich zurück - wohl kaum nach dem SED-Regime, aber nach der sozialen Sicherheit, die ihnen, wenn auch auf vergleichsweise niedrigem Niveau, garantiert schien. Daß diese Sicherheit trügerisch war, weil die früheren Machthaber das Land in den Ruin steuerten, wird häufig verdrängt. Die Angst vor der Zukunft verstellt den Blick für Ursache und Wirkung, sie untergräbt das Selbstbewußtsein und lähmt unter Umständen auch die Leistungsbereitschaft. Das Gefühl, von den Westdeutschen im allgemeinen und der Bundesregierung im besonderen als Bürger zweiter Klasse behandelt zu werden, hat in den letzten Monaten die Oberhand gewonnen. Bei den Demonstrationen im Frühjahr 1991 erinnert nichts mehr an die Aufbruchstimmung, die den Herbst 1989 auszeichnete. Die Menschen sind enttäuscht und verbittert. Eilfertige Schuldzuweisungen und demagogische Parolen fallen auf fruchtbaren Boden, abgewogene Einschätzungen sowie Mahnungen zu Besonnenheit und Geduld finden nur schwer Gehör. Mit solchen Reaktionen war zu rechnen, denn es läßt sich nicht wegdiskutieren, daß Fehler gemacht wurden. Prognosen und Zusicherungen verantwortlicher Politiker erwiesen sich als leichtfertig, weil sie die Probleme und vor allem auch die Kosten des beispiellosen Transformationsprozesses viel zu gering veranschlagten. Inzwischen wurde zwar kräftig nachgebessert, aber das Tauziehen um diese zusätzlichen Hilfen hat insbesondere in psychologischer Hinsicht verheerende Folgen. Das Vertrauen in die politische Führung wurde schwer erschüttert und muß nun mühsam zurückgewonnen werden. Schlecht bestellt ist es auch um die Solidarität der alten Bundesbürger. Jeder zweite meint jetzt, wo es ans eigene Portemonnaie geht, für Ostdeutschland werde durchaus genug getan, jeder zehnte hält die Unterstützung gar für übertrieben. Zu lange wurde suggeriert, persönliche Opfer seien für die Einheit nicht erforderlich. Schon deshalb räumen viele der wirtschaftlichen und sozialen Verschmelzung von Ost- und Westdeutschland nicht den Rang ein, der ihr als einer einzigartigen nationalen Aufgabe und Herausforderung zukommt. Erste Signale deuten daraufhin, daß nun, nach der deutlichen Verbesserung der Rahmenbedingungen, die Wirtschaft in den neuen Bundesländern langsam in Schwung kommt. Aber es wird noch Jahre dauern, bis sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt einigermaßen normalisiert. 1990 gingen 2,6 Millionen Arbeitsplätze verloren, eine Million wurde neu geschaffen. Ähnliche Relationen sind auch für 1991 und 1992 zu erwarten. Nach einer Befragung des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung werden vier von fünf ostdeutschen Industriebetrieben in den nächsten Monaten zu weiterem massivem Personalabbau gezwungen sein. Im März gab es bereits 808000 Arbeitslose und gut zwei Millionen Kurzarbeiter, von denen voraussichtlich mehr als die Hälfte spätestens zur Jahresmitte mit der Kündigung rechnen muß. Für rund 550000 Arbeitslose werden in diesem Jahr Fortbildungs-, Umschulungs- und Einarbeitungsmaßnahmen