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WAS DARF DIE SATIRE?
Frau Vockerat: „Aber man mufi doch seine Freude habén können an der Kunst." Johannes: „Man kann viel mehr habén an der Kunst als seine Freude."
Gerhart Hauptmann
Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.
Satire scheint eine durchaus negative Sache. Sie sagt: „Nein!" Eine Satire, die zur Zeichnung einer Kriegsan-leihe auffordert, ist keine. Die Satire beifít, lacht, pfeift und trommelt die grofíe, bunte Landsknechtstrommel gegen alles, was stockt und tráge ist.
Satire ist eine durchaus positive Sache. Nirgends ver-rát sich der Charakterlose schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den.
Der Satiriker ist ein gekránkter Ideálist; er will die Welt gut habén, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.
Die Satire eines charaktervollen Künstlers, der um des Guten willen kámpft, verdient alsó nicht diese bürger-liche Nichtachtung und das empörte Fauchen, mit dem hierzulande diese Kunst abgetan wird.
Vor allém macht der Deutsche einen Fehler: Er ver-wechselt das Dargestellte mit dem Darstellenden. Wenn ich die Folgen der Trunksucht aufzeigen will, alsó dieses Laster bekámpfe, so kann ich das nicht mit frommen Bibel-sprüchen, sondern ich werde es am wirksamsten durch die packende Darstellung eines Mannes tun, der hoffnungslos