Bővebb ismertető
, VorwortNachdem Janina ihre Erinnerungen an die Zeit im Ghetto und im Untergmnd niedergeschrieben hatte, dankte sie mir, ihrem Ehemann, für das Verständnis während ihrer langen Abwesenhek in den zwei Jahren, in denen sie an ihrem Buch schrieb und die sie in eine Welt zurückführte, die nicht die seine war. Mir war es gelungen, dem Schrecken und der Unmenschlichkeit zu entkommen, als sie in die fernsten Winkel Europas vordrangen. Und wie viele meiner Zeitgenossen untemahm ich später niemals den Versuch, das Geschehene zu ergründen, sondern überließ es den Alpträumen und den niemals heilenden Wunden jener, die ihre Angehörigen verloren hatten oder ihrer Persönlichkeit beraubt worden waren.Natürlich wußte ich genug über den Holocaust. Das Bild, das ich davon hatte, entsprach dem vieler anderer aus meiner Generation oder dem der Jüngeren: ein entsetzliches Verbrechen, das die Bösen an den Unschuldigen verübt hatten. Die Welt des Holocaust zerfiel in anomale Mörder und hilflose Opfer und jene, die versucht hatten, den Opfern zu helfen, soweit es eben ging. Nach dieser Vorstellung begingen die Mörder ihre Verbrechen, weil sie Psychopathen waren oder von einer wahnwitzigen Idee besessen; die Opfer wurden hingeschlachtet, weil sie dem übermächtigen, schwer bewaffneten Gegner nichts entgegenzusetzen hatten; und die übrige Welt hatte erschüttert zusehen müssen, bis der Sieg der Alliierten über die Nationalsozialisten dem unsäglichen Leiden ein Ende bereitete. Meine Vorstellung vom Holocaust war wie ein gerahmtes Bild an der Wand, das von seiner Umgebung sauber getrennt ist und mit dem Rest des Mobiliars nichts zu tun hat.Nach der Lektüre von Janinas Buch wurde mir bewußt, wie gering mein Wissen war - oder besser, wie wenig ich nachgedacht hatte. Mir dämmerte, daß ich überhaupt keine Vorstellung hatte von jener Welt, die nicht die meine war. Was dort geschehen war, entzog sich allen einfachen und gedanklich befriedigenden Erklärungsversuchen, die ich bis dahin für ausreichend gehalten hatte. Der Holocaust war nicht nur ein finsteres, schreckliches Geschehnis, sondern ließ sich mit gewohnten, normalen Kategorien nicht erfassen. Der Holocaust besaß seinen eigenen Code, den es zu entschlüsseln galt.