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ZUR EINFÜHRUNG
Zu den wenigen Gebieten der künstlerischen Weltproduktion, die bisher nur sehr selten beachtet worden sind, gehört die Dichtung der Naturvölker. Ganz im Gegensatz zur Plastik der Primitiven. Eine seltsame Laune des Sdiidcsals hatte im Laufe der letzten Generationen der naturvölkischen Schnitzkunst einen starken Einfluß auf manche europäischen Maler und Plastiker eingeräumt. Und so sind denn auch weite Gebiete dsr figürlichen Plastik Afrikas, Ozeaniens, Amerikas mehr oder weniger eingehend untersucht worden. Nicht so die Dichtung der Naturvölker!
Dennoch ist die poetische Begabung der Naturvölker keineswegs geringer als ihr plastisches Talent. Wer die Gesänge und Gedichte der Primitiven kennt, ist vielleicht sogar geneigt, die Dokumente ihrer dichterischen Phantasie höher als die ihrer plastischen Schöpferkraft zu stellen. Freilich scheinen hier in der Plastik letzte Formulierungen, endgültige Prägungen geleistet zu sein, während die dichterische Produktion nicht so unmittelbar zu genießen und zu bewerten ist. Gleichwohl: auch in dem Gebiet der lyrischen Dichtung hat der Naturmensch Werke geschaffen, mit denen er sich kühn in die Reihe der großen Lyriker stellen kann. Hier ist ihm eindeutiger als sonst der große Wurf gelungen, durch den sich jeder wahrhaft produktive Geist als solcher legitimiert: die Grenzen der Rasse, der Sprache, des Erdteils sind übersprungen, und mit begeistertem Wort findet er Gedanken und formuliert er Gefühle, die zum Innersten des Allmenschlichen gehören. Frömmigkeit, Liebe, Krieg und ihr tragisch dunkler Gegenspieler: Trauer und Schmerz, sie alle finden ihren Ausdruck. Vielleicht, daß ihre Sprechweise, etwa durch fremd klingende Eigennamen, unserem Verständnis da und dort einige Schwierigkeiten bereitet; auf der anderen Seite ist damit eine fremd-
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