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Einleitung
Luthers 95 Thesen sind ein historisdies Dokument und müssen darum auch als solches gelesen werden. Luther wollte mit ihnen weder erbauen noch ein reformatorisdies Programm veröifentlidhen. Sucht man den Seelsorger oder will man dem Reformator begegnen, dann muß man zu anderen Schriflen greifen. Doch will man unmittelbar den Brandherd der Reformation finden, dann ist man hier am rechten Ort. Von hier breitete sidi das Feuer aus. Zündstoff war genug vorhanden.
Luther selbst hat, als er 1517 seine Thesen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg anschlug - der Streit um das Faktum des Anschlages der Thesen sowie das genaue Datum, das manche Forscher auf den 31. Oktober, andere auf den I. November legen, soll uns hier nicht anfechten - keineswegs die Vorstellung gehabt, damit eine Zeitwende einzuleiten. Für ihn war das ein akademischer Akt. Er forderte an offiziellem Ort zu einer der üblichen Disputationen heraus. Ein Erfolg auf akademischer Ebene blieb ihm zunächst versagt; denn es fand sich kein Disputationspartner. Um so größere Wirkung hatten die Thesen außerhalb des Universitätsbereichs. „Er ist da, der es tun wird", froh-lodte Johann Fleck, der Prior des Barfüßerklosters Stein-Lausigk bei Bitterfeld (WA Ti 5,5480). Womit hatte der knapp vierunddreißigjährige Theologieprofessor der erst fünfzehn Jahre zuvor gegründeten Universität des unbedeutenden kursächsischen Städtdiens, die damals nur wenige hundert Studenten zählte, das Feuer entfacht? Untersdiiedlidie Meinungen über einzelne theologische und praktische Fragen hatte es in der Kirche seit Anfang ge-
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