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Wie kommt man dazu, den Comic zum Beruf zu machen?Bei uns hieß es: Wer schreiben kann, der kann auch zeichnen." Bei mir lief dasaber eher umgekehrt. Ich habezuerst mal gezeichnet. Ich male nämlich leidenschaftlich gerne. Weshalb, weiß ich auch nicht, aber der Trickfilm hat mich schon immer magisch angezogen. Dabei habe ich die Zeichentechnik via Fernkurs gelernt. Diese Kurse nannten sich ganz allgemein Zeichnen leicht gemacht - ein komplettes Lehrprogramm". Ausgerüstet mit diesem Basiswissen, stellte ich mich in einem Studio vor, das Zeichentrickfilme zu netten Kinderliedern produzierte. In diesem Studio habe ich dann auch eineZeitläng gearbeitet und dort lernte ich auch Peyo (den Vater der Schlümpfe), Franquin (der Gaston Lagaffe erfand, in Deutschland auch unter Jo-Jo bekannt), Paape, Will und viele andere kennen. Die Stimmung war ausgesprochen gut, die Arbeit durchweg angenehm. Man sang auch mal, lachte und diskutierte eifrig Alles lief eigentlich sehr harmonisch bis zu dem Tag, als der Krieg zu Ende war und die Amerikaner wieder den Zeichentrickfilm-Markt" selbst in die Hand nahmen. Wir sahen uns mehr oder weniger gezwungen, nach neuen Ufern Ausschau zu halten. Und was lag da näher als der Comic?, der ja so weit auch wieder nicht vom Zeichentrickfilm entfernt ist. So haben wir uns fast alle dieser Richtung zugewandt.Warum haben Sie aber ausgerechnet das Magazin Spirou" ausgesucht und nicht das weitaus bekanntere Tintin "?Die Zeitschrift Tintin" war sehr stark von Herg6 geprägt. (Herge war der Erfinder der Figuren von Tintin, zu deutsch Tim und Struppi).Er drückte ihr seinen Stil auf und alle Comic-Publikationen, die während dieser Zeit bei Lombard (belgischer Verlag) veröffent-EininTERVIEUJmiTmoRRi/licht wurden, trugen mehr oder weniger seinen Stempel. Wenn man für das Magazin Tintin" arbeiten wollte, mußte man Herge kopieren und nichts anderes.Die Zeitschrift Spirou" erschien dagegen offener, phantasievoller und außerdem arbeitete ich bereits für den Verlag Dupuis (Belgien). Neben meiner Arbeit im Studio hatte ich schon einige Cartoons für die Zeitschrift Moustique" gezeichnet. Und dieses Journal gehörte dem Verlag Dupuis, und da ich somit schon mal ein Bein in diesem Verlag hatte, entschied ich mich, für Spirou" zu arbeiten.Und dann entstand der komische Cowboy?Nun ja, als ich ihn entworfen habe, dachte ich wohl noch sehr stark an den Zeichentrickfilm. Wenn Sie die ersten Seiten von Arizona" betrachten, so werden Sie feststellen, daß die Figuren sehr rund sind, etwa in dem Stil, wie man sie für den Trickfilm zeichnet. Vielleicht hatte ich doch schon eine Vorahnung, daß Lucky Luke eines Tages über die Bildschirme galoppieren würde Für eine Comic-Figur ist es eine ganz besondere Auszeichnung, auf die Leinwand, bzw. ins Fernsehen zu kommen.Wenn wir schon vom Zeichentrickfilm LUCKY LUKE sprechen Weshalb wollten Sie das überhaupt?Wie ich schon sagte, es ist eine Art Rückkehr zu den Anfängen. Lucky Luke ist heute eine international bekannte Figur und interessiert ein entsprechend großes Publikum. Man darf ja nicht vergessen, daß ein einstündiger Trickfilm sehr viel Geld kostet und deshalb möglichstein Millionen-Publikum ansprechen sollte. Der große Erfolg der Asterix-Filme hat die Produzenten bewogen, auf dieser Linie weiterzumachen.Die Lucky Luke Comics waren dann aber schon so weit fortgeschritten, daß deren Rückübertragung auf die Leinwand große Probleme aufwarf.Die Zeichnungen mußten vereinfacht werden, der Text mußte zum Film-Drehbuch abgeändert werden. Witzige Situationen im Comic verlieren oft ihren Spaß, wenn sie auf der Leinwand erscheinen. Im Comic sind sie statisch, unbeweglich. Man hat ja Zeit, sie zu betrachten oder wieder aufs neue anzuschauen. Auf der Leinwand muß die Situation sofort als Witz erkennbar sein. So war es uns beispielsweise nicht einmal mittels Zeitlupe möglich, visuell darzustellen, wie schnell Lucky Luke seinen Revolver zieht. Im Comic dagegen ist es ganz einfach: Die Cola-Flasche bleibt in der Luft stehen, nachdem Lucky Luke schon auf sie geschossen hat.Bei den Zeichnungen müssen ein paar Regeln ganz stur beachtet werden: Der Strich" muß unbedingt geschlossen sein, damit die Koloristen (diejenigen, die die Farben anlegen) ganz genau wissen, von wo bis wo die jeweilige Farbe eingezeichnet werden soll. Damit eine Bewegung entstehen kann, benötigt man im besten Fall 24 Bilder pro Sekunde Film - und dazu wiederum müssen die Zeichnungen so einfach wie möglich sein. Es gibt sicher viel Ähnlichkeit zwischen Trickfilm und Comic, aber sie ist doch nicht so stark wie es den Anschein hat. Wir haben es hier mit zig verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten zu tun.