Bővebb ismertető
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Vorwort
über die Architektur der Österreichisch-Ungarischen Monarchie erschien bisher noch keine zusammenfassende Arbeit. Das ist ein kaum verständliches Versäumnis, wenn man bedenkt, daß im letzten Vierteljahrhundert das Interesse an der Geschichte und Kultur der Monarchie' immer lebhafter wurde und bis heute nicht nachläßt. Wer durch die Straßen von Prag, Wien, Triest, Agram, Großwardein oder Budapest geht, kann durch die in den Gebäuden manifestierte Erinnerung die gemeinsamen Schichten der Vergangenheit unmittelbar erleben, und das Kennenlernen dieser Vergangenheit könnte eine Arznei sein für die Identitätsstörungen der Gegenwart Neben mehrbändigen Enzyklopädien und wissenschaftlichen Arbeiten deuten k.u.k. Kochbücher und nostalgische Bildbände mit braungetönten Fotos die unterschiedlichen Ebenen und die verschiedenen Aspekte der „Monarchie-Nachfrage" an.
Wenn wir uns der Frage jedoch nicht von seilen des Bedarfes, sondern vom Gegenstand her nähern, dann erscheint das Unterfangen selbst etwas fragwürdig. Wie läßt sich in einem verhältnismäßig kleinen Band ein solcher Zeitabschnitt zusammenfassen, wo einerseits sogar über einige seiner Nebengestalten schon umfangreiche Monographien erschienen sind, andererseits aber wesentliche Bezüge (z. B. die Architektur auf dem Territorium der einzelnen Nachfolgestaaten) noch so gut wie unerforscht blieben? Die Architekturhistoriker der heutigen Nachfolgestaaten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie beschäftigen sich - verständlicherweise - mit ihrer nationalen Architektur, die an den Staatsgrenzen aufhört. Sie veröffentlichen Biographien, beschreiben Gebäude und ziehen auf dieser Grundlage gewisse Schlußfolgerungen, meist ohne die gemeinsamen Grundlagen zu untersuchen. Diese Schlußfolgerungen können zwangsläufig nicht vollwertig sein, da sie ja die Erscheinungen herausgehoben aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen untersuchen, wo doch ein gültiges Bild von der Kultur des Zeitalters und so auch seiner Architektur nur durch vergleichende Methoden gegeben werden kann. So erschien das Unterfangen trotz seiner zahlreichen Schwierigkeiten unumgänglich.
Einzelne Erscheinungen der Architektur der Österreichisch-Ungarischen Monarchie sind im wesentlichen bekannt. Historiker haben schon ausfuhrlich das Wirken und die Werke der
Aladar Kärman - Gyula Ullmaim: Fassadendetail, 1901
Schule Otto Wagners, die Schöpfungen der Wiener Jahre des Slowenen Josef Plecnik, die Wohnsituation der ungarischen Arbeiter, die ungarischen Nationalbestrebungen, die großen Ausstellungen oder die Auswirkung neuer Bautechniken beschrieben. VergebUch jedoch sucht man unter diesen vielen Einzelthemen nach der Darstellung einer zusammenhängenden Baukultur. Deshalb muß eine Rekonstruktion des Gesamtbildes in Angriff genommen werden, auch um den Preis, daß die Details verschwommener werden und die Konturen verblassen. Nur so können die großen Züge hervortreten, nur so können wir die Einheitlichkeit der Struktur entdecken.
Als erstes stellt sich nun die Frage, ob ^ denn in jenem riesigen Gebäude-, Entwurfs- und Fotomaterial, in dem sich die Architektur der Österreichisch-Ungarischen Monarchie für uns darstellt, tatsächlich eine so einheitliche Struktur zu entdecken ist. Hat denn der Titel unseres Buches einen wahren Inhalt, umfassen die im Titel bezeichneten räumlichen und zeitlichen Grenzen etwas Spezifisches auch in der Architektur? Auf den ersten Blick scheint es, als müsse diese Frage verneint werden. Die Monarchie kann als geschichtliche Einheit nicht so eindeutig mit einer architektonischen Bestrebung in Verbindung gebracht werden wie z. B. Frankreich unter Ludwig XIV. oder die Weimarer Repubhk. Der Zeitpunkt der Entstehung der Doppelmonarchie, der Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn im Jahre 1867, fällt genau in die Mitte der Stilentwicklung des strengen Historismus, und der historische Augenblick des Zerfalls der Monarchie (1918) hat, vom Gesichtspunkt der Architektur aus gesehen, ein mindestens ebenso bedeutungsloses Datum: Der Jugendstil hatte zu der Zeit schon lange seinen Höhepunkt überschritten, und es entfalteten sich divergierende neue Strömungen. Die damaligen Grenzen jedoch, in denen sich das in diesem Band darzulegende architektonische Geschehen abspielt, unterscheiden sich wesentlich von den Landesgrenzen, innerhalb derer die Architekturhistoriker der Nachfolgestaaten die Entwicklung der jeweiligen nationalen Architekturen beschreiben. Außerdem standen gewisse Gebiete der Monarchie - z. B. Tirol oder Salzburg - so stark unter dem Einfluß einzelner Zentren der deutschen Architektur, daß man gewiß behaupten kann, die Wiener Architektur ist nicht identisch mit der ganzen österreichischen Architektur