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Heliodor ist die Ehre widerfahren, an die Seite Homers gestellt zu werden. So zu lesen in einer Sentenz des gelehrten Bischofs Huet, der im 17. Jahrhundert schrieb: „Wenn Homer die Quelle aller guten Poesie ist, so ist Heliodor die Quelle aller guten Prosadichtung/' Gestalt und Lebensumstände des bewunderten Dichters hüllen sich in Dunkel; einzig Name und Herkunft sind uns bekannt. Gleichsam als Siegel nennt sie der Verfasser am Schluß seines Romans, der um 240 entstand: Heliodor, ein Phönizier aus Emesa, Sohn des Theodosios. Ein Orakel des delphischen Gottes verheißt der schönen Charikleia und ihrem geliebten Theagenes ungetrübtes Glück im fernen Äthiopien. Es scheint zu trügen. Ein widriges Geschick verstrickt die Liebenden in immer neue Abenteuer und Gefahren: sie geraten in die Gewalt von Räubern; werden, unerwiderter Liebe wegen verfolgt, zu Sklaven; schlagen sich, getrennt, als Bettler durchs Land; werden erneut gefangen und gar zu Opfern für die Götter Äthiopiens ausersehen. Wann endlich wird unwandelbare Treue ihren Lohn finden, wann das Orakel sich erfüllen? Grundsituationen menschlicher Leidenschaften hat Heliodor in seiner Dichtung, dem Gipfelpunkt des