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ERSTER TEIL I Elisabeth verlangsamte den Sdiritt, drückte liebevoll den Arm ihrer Mutter und sagte, sie von der Seite anblickend: „Weißt du, Mama, ich habe noch einmal über den Vorschlag von Frau Duversoy nachgedacht!" „Ich auch", sagte Amelie. „Findest du nidit, daß das wunderbar wäre?" „Man muß das Für und das Wider abwägen." „Es gibt kein Wider!" „Doch, Elisabeth. Kannst du dich, fern von uns, allein in Paris vorstellen?" Elisabeths Augen funkelten empört. Sie war auf diese Antwort gefaßt. Wann sah man...
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ERSTER TEIL I Elisabeth verlangsamte den Sdiritt, drückte liebevoll den Arm ihrer Mutter und sagte, sie von der Seite anblickend: „Weißt du, Mama, ich habe noch einmal über den Vorschlag von Frau Duversoy nachgedacht!" „Ich auch", sagte Amelie. „Findest du nidit, daß das wunderbar wäre?" „Man muß das Für und das Wider abwägen." „Es gibt kein Wider!" „Doch, Elisabeth. Kannst du dich, fern von uns, allein in Paris vorstellen?" Elisabeths Augen funkelten empört. Sie war auf diese Antwort gefaßt. Wann sah man endlich ein, daß sie kein junges Mäddien mehr war, sondern eine Frau von dreiundzwanzig Jahren, die über ihr Schicksal selber bestimmen konnte? Nachdem sie nach ihrer Scheidung zu ihren Eltern nach Megeve zurückgekehrt war, hatten sie anscheinend geglaubt, sie werde sie nur verlassen, wenn sie sich wieder verheiratete. Es war an der Zeit, sie eines Besseren zu belehren. „Ich bitte dich, Mama", sagte sie, „hör auf, mich so zu behandeln, als ob ich noch ein Kind wäre! Was soll mir in Paris passieren?" So jäh angegriffen, wagte Amelie nicht, die Gründe ihrer Sorge genauer zu bezeichnen. Sollte sie gestehen, daß sie ihrer Tochter nicht mehr so vertraute wie früher? „Ach nichts", sagte sie seufzend. Elisabeth erriet, was ihre Mutter dachte, und die Erinnerung an den Kummer, den sie ihr zugefügt hatte, weckte ein leises Mitleid in ihr, das ihr ungestümes Verlangen, sie zu überzeugen, mäßigte. „Aber Mama, du weißt es doch genau", sagte sie. „Sei doch nicht so schwierig. Versteh mich, statt mich zu kritisieren " Sie gingen weiter auf dem feuchten Feldweg, der vom Fiotel ,Zu den beiden Gemsen' zum Hof der Gourtaz' und der Renardiere hinunterführte. Das vorzeitige Tauwetter hatte dem Tal von Megeve sein weißes Gewand geraubt. Auf den Wiesen lag hier und da noch schwarz gesprenkelter Sdinee; befreite Rinnsale flössen zwischen Steininseln und Gestrüpp dicht über dem Boden, und vom Dach eines Ghalets tropfte es unter einem grellblauen Himmel unentwegt herunter. Selbst auf den hohen Hängen wirkte der Sdinee alt und stumpf. Das düstere Gefieder der Tannen war dunkler als sonst. Eishauben schmolzen in der funkelnden Sonne. Amelie sog den bittersüßen Geruch des Bergfrühlings ein. Ihre ,Apres-Skis' versanken mit einem klatschenden Geräusdi im Schmutz des Weges. Von neuem begann Elisabeth: „Kannst du mir sagen, was ich hier seit drei Jahren tue?" „Du hilfst uns." „Ach nein. Du weißt es sehr gut. Ihr braucht mich nicht, um das Hotel zu führen. Ich arbeite bei euch nicht richtig und bin auch nicht ganz auf Urlaub " Amelie wandte die Augen ab. Es hatte keinen Sinn, gegen sich selbst zu kämpfen. All das, was sie gern von sich geschoben hätte, stieg ihr in einer heißen Woge wieder in den Kopf. Sie erinnerte sich von neuem an Elisabeths kläglichen Aufbruch in das Leben: ihre Ehe mit Patrice Monastier, die so glücklidi zu sein schien und die dann nach ein paar Monaten auf jämmerliche Weise gescheitert war; der verzweifelte Brief, den sie an ihre Eltern geschrieben hatte; ihr erregt gestammeltes entsetzliches Geständnis in dem kleinen weißen Zimmer einer Klinik in Genf Als Amelie ihre Todhter nach Hause holte, hatte sie zuerst geglaubt, sie werde ihr ihre Flucht nie verzeihen können. Sie kannte ihr Kind in diesem von der Leidenschaft verführten Wesen nicht wieder, das seinen Mann betrogen hatte und sich ein Kind hatte abtreiben lassen, weil sie von einem anderen schwanger war. Eine Wahnsinnige hätte nicht anders gehandelt! Was konnte man nadi einer solchen Sdiande von der Zukunft noch erhoffen? Dennodi hatte Amelie damals trotz allem Ekel und aller Bestürzung sich noch eine letzte Hoffnung bewahrt: Patrice war so gut, so liebevoll, so großzügig! Vielleicht braudite Elisabeth nur zu ihm zurückzukehren und ihn anzuflehen, alles zu vergessen, und er wäre bereit, sie wieder als

Termékadatok

Cím: Die Begegnung [antikvár]
Szerző: Henri Troyat
Kiadó: Europäischer Buchklub-Europäische Bildungsgemeinschaft
Kötés: Félbőr
Méret: 130 mm x 210 mm
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