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Mit der Zeit sind es nicht mehr so viele, doch darum noch nicht wenige Menschen, die sich in Ferrara an Doktor Fadigati erinnern - an Athos Fadigati, den Hals-, Nasen- und Ohrenarzt, der in der Via Gorgadello, ein paar Schritt von der Piazza delle Erbe, wohnte und praktizierte, und mit dem es ein so trauriges Ende nahm, ein tragisches Ende; und gerade er schien, als er als junger Mensch aus seiner Heimatstadt Venedig kam und sich hier niederließ, für eine vollkommen normale, ruhige und eben deshalb höchst beneidenswerte Laufbahn bestimmt. Das war im Jahre 1919, kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Ich war damals noch zu jung, um mehr als nur ein unbestimmtes und ziemlich verworrenes Bild jener Zeit wiedergeben zu können. In den Cafés des Stadtzentrums wimmelte es von Offizieren in Uniform; alle Augenblicke kamen Lastwagen mit wehenden roten Fahnen vorbei; über das Baugerüst des Gebäudes der » Assicurazioni Generali« war eine gewaltige knallrote Reklameleinwand gespannt, die gleichermaßen Freunde und Gegner des Sozialismus aufforderte, in Eintracht den »Lenin-Apéritif« zu trinken; fast täglich kam es zu Schlägereien zwischen radikalen Bauern und Arbeitern auf der einen und Angehörigen der Frontkämpferverbände auf der anderen Seite Diese Atmosphäre des Fiebers, der politischen Unruhe und der allgemeinen Sucht nach Zerstreuung war für den Venezianer Fadigati in gewisser Weise günstig. Man versteht, daß er in einer Stadt wie der unseren, in der es nach dem Kriege den jungen Leuten aus guter Familie mehr