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VORWORT
Das Problem der Brüder und Sdiwestern Jesu ist nidit nur im ernsten ökumenisdien Gesprädi, sondern audi in der interkonfessionellen Polemik immer sdion ein besonders oft diskutiertes Thema gewesen. Durdi die modernen Kommunikationsmittel wird es heute audi theologisdi und religiös wenig interessierten Kreisen nahege-bradit. Kaum eine größere Tageszeitung oder Illustrierte, die nidit in den letzten Jahren das Thema einmal aufgegriffen hätte, und sei es audi nur in einer Leserzusdirift. Im Britisdien Fernsehen hat vor zehn Jahren eine Sendung mit dem Titel „Family Portrait", in der die Ansidit vertreten wurde, Maria habe eine Reihe von Kindern gehabt, eine ungeahnt lebhafte Auseinandersetzung in der öffentlidikeit ausgelöst. Das Zweite Deutsdie Fernsehen bradite am 15. 8. 1966 ein Gesprädi über die katholisdie Marienverehrung, bei dem der protestantische Partner die gleiche Ansicht vortrug, und zwar in einer so apodiktischen Form, daß die katholisdien Gesprächsteilnehmer darauf verzichteten, die Frage näher zu diskutieren.
Auch im Raum unserer Kirche selbst wird der Frage heute eine größere Beachtung geschenkt als früher, da das Evangelium des neu eingeführten Festes „Joseph der Arbeiter" fortan Jahr für Jahr die Gläubigen auf die Brüder und Schwestern Jesu, erstere dabei na-menthdi nennend, aufmerksam macht (Mt 13,54-58), während bisher im Missale Romanum ein die Herrenbrüder erwähnendes Evangelium nur der Messe für Martyrerbrüder zugewiesen war (Mt 12,46-50).
Die vorliegende Studie möchte jenen Christen, die sich eingehender mit der Frage befassen wollen, eine Handreichung sein. Sie ist eine Erweiterung des Artikels, der unter dem Titel „Zum Problem der Brüder des Herrn" in der Trierer Theologischen Zeitschrift 67 (1958) 129-145. 224-246 ersdiienen ist.
Passau, 12. September 1966 Josef Blinzler