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VORWORT
D
er Verfasser trug sich schon seit langem mit der Idee, ein Buch über die deutsche Plastik des Spätmittclalters und der beginnenden Neuzeit zu schreiben. Noch während der Arbeit über Probleme der Kunst der Dürerzeit wurde ihm klar, daß die Hoch-Zeiten der Plastik einerseits und die der Malerei und Graphik andererseits nicht zusammenfallen. Die Plastik hatte ihre höchste Blüte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erlebt, Malerei und Graphik im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts, als die Glanzzeit der Plastik schon vorbei war. Dieser Umstand bot dem Verfasset die Anregung, sich speziell der deutschen Plastik zuzuwenden.
Doch nicht nur dieser Umstand. Die meisten Forscher interessierten sich in diesem Zusammenhang für die Lokalschulen, jedenfalls ließen sie die Verbindungen der deutschen Plastik mit der anderer Länder außer Betracht. In der Tat aber waren die Beziehungen der deutschen Bildnerei des Spätmittelalters und der Renaissance zu der der niederländischen, italienischen, französischen, der nord- und mitteleuropäischen Länder rege und vielseitig. Vieles in der Entwicklung der Plastik in den deutschen Gebieten wird verständlicher im Vergleich mit der gleichzeitigen Entwicklung in anderen Ländern. Darum unternahm der Verfasser den Versuch, die deutsche Plastik unter breiteren, internationalen Aspekten zu betrachten.
Und nun noch einige, speziell an den Leser der deutschsprachigen Ausgabe gerichtete Bemerkungen. Das Buch war ursprünglich für sowjetische Leser bestimmt, deren Bekanntschaft mit der deutschen Kunst verständlicherweise nicht so tiefgehend ist wie die der deutschen. Darum mag einiges im Text den letzteren recht vereinfacht oder zu ausführlich erscheinen. Der Verfasser hat Kürzungen vorgenommen, aber vielleicht doch zu geringe.
Andererseits haben die sowjetischen Kunstfreunde bessere Möglichkeiten gehabt, die Ansichten des Verfassers bezüglich der stilistischen Entwicklung der deutschen Kunst vom 14. bis zum 16. Jahrhundert kennenzulernen, und diese nun wiederum mögen dem deutschen Leser neu erscheinen.Gemeint ist folgendes: Schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts geht die hochgotische Kunst in Deutschland in eine späte Phase über, und es kommt im 14. Jahrhundert zur Sta,i;nation. Nach Ansicht des Verfassers handelt es sich hierbei um das, was man eigentlich als Spätgotik bezeichnen müßte. Peter Parier nun wiederum antizipierte bereits in der deutschen Kunst eine neue Epoche, die im zweiten Drittel des 15. Jahrhunderts begann und einen typisch deutschen Übergangsstil von der Gotik zur Renaissance darstellte. Die Dürerzeit schließlich ist als die eigendiche deutsche