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VORWORT
Die Arbeit setzt es sich zur Aufgabe, den spezifischen Gehalt von S. T. Coleridges Dichtungstheorie zu bestimmen und in seiner Bedeutung für die englische Romantik einerseits und die moderne angloamerikanische Literaturkritik andererseits zu veranschlagen. In Coleridges Werk stehen dichterische Erfahrung, Dichtung, Dichtungstheorie und Philosophie in einem engen Sachzusammenhang und sind mit den anderen Bereichen des Erlebens und Denkens vielfältig verbunden, ohne daß die jeweilige Eigenart vernachlässigt würde. Seine Überlegungen zum Wesen der Dichtung beziehen von diesem Hintergrund ihre eigentliche Substanz, stehen aber zugleich im weiteren Kontext der englischen Romantik und unter dem objektiven Anspruch der Tradition der Poetik. System und Historie, philosophische Einsicht und lebendige Erfahrung erscheinen, zumal im Bereich der Dichtung und ihrer Theorie, als aufeinander verwiesen. Coleridges Denken zeichnet sich durch ein hohes Maß an kritischer Bewußtheit aus, die sich auf die Voraussetzungen und Eigenschaften des Gegenstandes wie auf die Möglichkeiten und Bedingungen seiner Erkenntnis richtet. Der Versuch, seine Dichtungstheorie in ihrer Idee adäquat nach-zuvollziehen und in ihrer Verwirklichung darzulegen, kann sich nicht auf eine systemimmanente Analyse eines Kategorienge-füges beschränken, sondern muß nach dessen Motivation fragen; ebensowenig aber dürfen die in dem weiteren Zusammenhang der verschiedenen Bereiche des Denkens bei Cole-ridge gewonnenen Erkenntnisse von außen als Maßstab herangetragen werden, sondern müssen in ihrer Transformation und Wirkungsweise in der Poetologie selbst aufgesucht werden. Der distanzierenden Bewußtheit von Coleridges Denken muß daher ein kritisches Vorgehen entsprechen, das die Untersuchung des Gegenstandes mit ständiger methodologischer Reflexion verbindet und damit dem Wahrheitsanspruch von Coleridges Poetologie und dem notwendigen hohen Stand kritischen Bewußtseins einer modernen Poetologie gerechtzuwer-den bestrebt ist, folglich aber auch die Grenzen der Literaturkritik als einer in sich geschlossenen, isolierbaren Disziplin überschreitet. Die Arbeit versteht sich, der Komplexität und Offenheit, aber auch eigengesetzlichen Problematik ihres Themas gemäß, in diesem Sinne als eine poetologische und verzichtet daher weitgehend auf die Darstellung geistes- und quellengeschichtlicher Sachverhalte ebenso wie auf grundsätzliche Erörterungen philosophisch-ästhetischer Art.