Bővebb ismertető
0. Einleitung
Stichworte zu Rezeption, Forschungslage, Darstellungsabsicht und Aktualität
Die Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte der Schillerschen Dramen, faßt man ihr theatralisches Potential trotz ihrer werkgeschichtlichen Vielfalt versuchsweise als Ganzes in den Blick, hat besondere Höhe- und Krisenpunkte aufzuweisen, was die Intensität der Auseinandersetzung betrifft; abgerissen oder auch nur unterbrochen war sie im deutschsprachigen Raum zu keiner Zeit. Ein Grund für diese spannungsvolle Kontinuität in Schillers Nachleben, vielleicht das Moment, das ihn zum ,,Zeitgenossen aller Epochen"' machte, ist in dem teils unvermittelten, teils dialektischen Gegensatz zu suchen, der immer wieder zwischen dem frühen und dem ,,klassischen" Dramatiker, dem schwäbischen Kritiker des Absolutismus und dem Weimarer Ästhetiker entdeckt oder konstruiert wurde^. So konnte etwa die dramatische Unreife, die grelle Wirkungsstrategie des ,,Räuber"-Autors, mit Maßstäben obendrein, die man den ästhetisch-philosophischen Schriften der 90er Jahre entnahm, ausgespielt werden^ gegen die architektonische Perfektion der,,Braut von Messina" oder die poetische Brillanz der ,,Jungfrau von Orleans", wie umgekehrt der unpolitischen Gegenwartsferne dieser Dramen die gesellschaftskritische Brisanz in den ,,Räubern" und in ,,Kabale und Liebe" entgegengehalten wurde. Deren vorgebliche ästhetische Mängel waren dann eher als problembedingte Formsprengung und als normverletzende Innovation zu rechtfertigen", während sie aus klassizistischer Sicht allenfalls das affektive Rohmaterial in unzureichender Durchformung, gleichsam als Vorstufe späterer Vollendung widerspiegelten. Trotz oder dank dieses polarisierenden Schematismus und seiner verzerrenden polemischen Energie blieb Schiller auch in klassikfeindlichen literaturgeschichtlichen Phasen -etwa im Vormärz, im Naturalismus und Expressionismus und sogar am Ende der 60er Jahre® - als Bühnenautor lebendig, obwohl er früh mit der Hypothek des Schulbuchklassikers belastet war. Gerade dem dramatischen Frühwerk ist es zu danken, daß die Entthronung des Volksklassikers, des sakrosankten National- oder Freiheitsheros oder des repräsentativen Bildungs- und Kulturgutes ,,Schiller"® nicht zu einer vöUigen Abkehr führte, sondern jeweils produktiv mit