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Der Brief kam mit der Post, wie es sich für einen anstandigen Brief gehört. Nur war er nicht anstándig, aber das sah man ihm von aufíen nicht an. Er war am 1. April, einem Sonnabend, um 11 Uhr beim Postamt München 23 in den Kasten geworfen worden und tráumte bis zum Montagmorgen in einem besonders grófién Schliefífach seiner Zustellung entgegen. Der Bote Aloys Hieberl holté ihn am Montag mit vielen anderen Briefen ab, schüttete die Post auf den Schreibtisch von zwei Sekretárinnen und sagte: Do habt's Arbeit. Das wiederholte sich so jeden Tag, nur war heute ein besonderer Tag, und auf Monate hinaus sollten alle folgenden Tage keine normalen Tage mehr werden. Die Sekretárinnen begannen mit der Sortierung. Post für das Generalsekretariat, den Kunstausschufí, die Pressestelle, den AusschuS für Finanzwesen, den Bauausschufi, den Sportausschufi, den Verkehrsausschufí, den Vorstand. Der unscheinbare Brief wanderte in eine besondere, lederne Mappe, denn auf dem Kuvert stand: An den Prásidenten des Nationalen Olympischen Komitees für Deutsdűand Herrn Willi Daume München 13 Saarstrafie 7. Eine korrekte Adresse. Was auffíel an ihr, war das Wort >persönlidi<, doppelt unterstrichen. Um 10.12 Uhr lag der Brief auf dem Schreibtisch des Prásidenten. Das Kuvert war aufgeschlitzt, aber sonst nicht berührt. >Persönlich< ist ein Zauberwort, man weifi nie, was sich dahinter verbirgt. Der Absender lautete: >Komitee imd Aktionsgemeinschaft für friedliche Spiele<. Niemand im Sekretariat konnte sich einen Vers darauf machen, es war ein neuer Name, der in der Korrespondenz noch nicht aufgetaucht war. Und weil der Absender unbekannt war und es in der Anschrift >persönlich< hieő, wurde der Brief im Sekretariat nur auf geschlitzt, aber nicht gelesen und nach seinem Inhalt - wie die anderen Briefe - in den Briefkorb irgendeines Fachreferenten gelegt. Der Prásident las zunachst den Absender, ehe er den Briefbogen aus dem Umschlag zog. Er dachte kurz nach, erinnerte sich an keine Aktionsgemeinschaft dieses Namens, aber man kann ja nicht alles behalten.