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Das Rasseln des Weckers riß Dr. Richard Jorg aus tiefstem Schlaf. Ohne die Augen zu öffnen, streckte er den linken Arm aus, tastete r.ach dem Läutwerk und stellte es ab. Er drehte sich, genoß die wohlige Wärme des Bettes, räkelte sich tiefer in die Kissen.
Ganz allmählich erwachte er zu vollem Bewußtsein. Er hörte, wie seine Frau leise hereinkam, aber er hielt die Augen immer noch geschlossen und imitierte ein paar wohlgelungene Schnarchlaute. Er wollte dieses glückhafte Erwachen bis zum letzten Augenblick auskosten. Er wartete auf das tägliche neue Wunder.
Und dann — endlich! — spürte er die warmen, festen Lippen seiner Frau auf Stirn, Wange, Nase, Mund. «Du mußt aufstehen, Richard», sagte sie so nahe seinem Ohr, daß ihre Locken ihn kitzelten. «Es ist höchste Zeit.» «Schon?» murmelte er schlaftrunken. «Es ist gleich sechs», sagte sie eifrig. «Du mußt .» Aber da hatte er sie auch schon an sich gezogen und verschloß ihren Mund mit einem langen Kuß. Sie zappelte in seinen Armen, stemmte ihre Fäuste gegen seine Brust und versuchte, ihn in die Lippen zu beißen. «Nicht jetzt, Richard», protestierte sie. «Doch nicht jetzt!»
Er öffnete die Lider, sah ihr kleines helles Gesicht mit den runden braunen Augen unter den sanft gebogenen Wimpern ganz nahe vor sich. Ihr über alles geliebtes Gesicht. «Und warum nicht?» fragte er, ohne sie loszulassen. «Weil du aufstehen mußt, Richard.»
Aber er spürte, wie ihr Körper unter seinen zärtlichen Händen
schon weich wurde, nachgab. Nur noch wenige Augenblicke,
und ihr Widerstand würde gebrochen sein.
«Du kommst zu spät in die Klinik», sagte sie nur noch. Aber
es klang nicht mehr wie ein Protest.
«Das laß nur meine Sorge sein, Liebling.»