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Vorwort
Der erste Band dieses Quellenwerks hat sich mit den europäischen Beziehungen zu Amerika und Afrika befaßt: Dokumentiert wurden die Entdeckung und Eroberung der transatlantischen Welt von Columbus bis zum nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg sowie die Geschichte der europäisch-afrikanischen Kontakte von der Antike bis zu Napoleons Agyptenfeldzug.
Der nun vorliegende zweite, abschließende Band ist der Begegnung des Abendlandes mit der östlichen Hemisphäre gewidmet: Die Dokumentation setzt ein mit den frühen Beziehungen zum Nahen Osten zur Zeit der Kreuzzüge; sie veranschaulicht das maritime Ausgreifen Portugals, der Niederlande, Frankreichs und Großbritanniens nach Südasien und dem Fernen Osten; und sie schließt ab mit dem Einbruch der Franzosen und Engländer in den pazifischen Raum und der Gründung einer neuen Sied-lungskoionie in Australien. Beigefügt wurden auch Texte, welche die russische Binnenexpansion des i6. bis i8. Jahrhunderts nach Sibirien illustrieren - ein Kapitel europäischer Kolonialgeschichte, das oft übergangen oder totgeschwiegen wird, obwohl seine Parallelen zur weit besser bekannten Westwanderung der Engländer in Nordamerika evident sind. Im übrigen freilich ist die europäische Kolonialexpansion in der östlichen Hemisphäre, verglichen mit den Vorgängen jenseits des Atlantiks, eigene Wege gegangen; sie hat andere Probleme erzeugt und andersartige Formen der kulturellen Begegnung entwickelt. So haben etwa die Portugiesen im Osten - sehr im Gegensatz zu den Spaniern in Mittel- und Südamerika - ihre Machtposition auf die Beherrschung der Seewege abgestützt; das weitmaschige System von Küstenstützpunkten, das sie im 16. Jahrhundert errichteten, hat noch den ihnen nachfolgenden und sie verdrängenden Holländern, Engländern und Franzosen als Modell gedient. Neu und überraschend war auch, daß sich die Europäer in Asien, vor allem in China und Japan, aber auch in Indien, Völkern gegenübersahen, die nicht nur über ein ausgeprägtes kulturelles Selbstbewußtsein verfügten, sondern auch über die administrativen und militärischenMit-tel, diesem Selbstbewußtsein Achtung zu verschaffen. Diese Tatsache zwang zu rücksichtsvollerem und wohl auch listigerem Gebrauch der kolonialen Macht - das englische ,,Second Empire" in Indien kann hier als Beispiel dienen. Was die Erkundung des Südpazifiks gegen Ende des