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Einführung.Von Heinrich Kralik.Die Entführung aus dem Serail" ist eine Herzensangelegenheit des deutschen Opernpublikums. Der frische, ewig junge Gefühlston dieses Werkes und seine lieben, unvergänglichen Melodien berühren die zarteste Zone unserer Empfindungen: das Gemüt. Nicht der pathetische oder sentimentale, der tragische oder burleske Sinn wird angesprochen, sondern jene goldene Mittelschichte der Seele, aus deren Stoff wir so gerne die Dinge unseres eigenen Lebens vergolden. Mozart hat die alten Singspielpuppen weder ins Erhabene, noch ins Komische projiziert, sondern er läßt sie als die unschuldigen Geschöpfe, als die Kleinen, die sie sind, zu sich kommen und bringt sie solcherart unserem Herzen am nächsten. Es ist ein im besten Sinne kindliches Element, das der Entführung aus dem Serail" die besondere Weihe gibt: wir dürfen Belmonte, Konstanze, Pedrillo, Blondchen und den edelmütigen Bassa Selim mit wahrer Kinderliebe lieb haben.In diesem liebenswürdigen Personal erscheinen die Gestalten der deutschen Oper im Puppenstand, im Stande der Unschuld; als Opernfiguren gewissermaßen noch unbefleckt vom Makel der romantischen Erbsünde. Als deutsches Singspiel stützt sich die Entführung" auf eine reiche Tradition. Aber es ist nicht nur so, daß die Entführung" aus der Gattung des Singspiels hervorgegangen ist und ihr die Krone aufsetzt; sie führt die Gattung selbst über sich hinaus und läik sie in die der Oper einmünden. Die Entstehung der deut-sclien Oper als eines besonderen Typus ist dem Singspiel mindestens ebenso verpflichtet, wie der eigentlichen Oper. Mozarts Entführung" ist die Stelle, wo die Ketten einhaken: Vollendung des deutschen Singspiels, Beginn der deutschen Oper. Hier setzt die Linie ein, die zur Zauberflöte", zum Fidelio", zum Freischütz" weiterleitet.1*