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CHRONICA
Die erste Schule der ungarischen Literaturgeschichte
Das Philológiai Közlöny (Philologisches Mitteilungsblatt) und Gusztáv Heinrich
Wer war es, der der ungarischen Literaturgeschichtsschreibung den Weg gewiesen hat? Und zu welcher Zeit? Die Antwort lautet meistens: David Zwittinger^ an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert, Peter Bod^ in der Mitte, Pál Wallaszky^ Ende des 18 Jahrhunderts, Ézsaiás Budai^ zu Beginn, Ferenc Toldy® im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts.
Ein jeder Name kann aus einem bestimmten Blickwinkel gesehen den Anspruch erheben, in dieser Aufzählung an erster Stelle zu stehen. Im allgemeinen Bewußtsein wird Zwittinger und Toldy die größte Anerkennung gezollt. Die Vielfältigkeit der Beurteilung zwingt daher dazu, die Frage konkreter zu formulieren, unter einem näher bestimmten Gesichtspunkt, mit einer klaren Zielsetzung.
So lautet die Frage folgendermaßen: Wessen Geistes war die Schule, die die Köpfe der ungarischen Literaturgeschichtsschreibung, deren erste Generation gemeinschaftlich und kontinuierlich herangebildet hat?
Wie uns bekannt ist, haben Áron Szilády und Gusztáv Heinrich, die Begründer der 1891 herausgegebenen •nlrodalomtöiténeti Közleményekií (Literaturgeschichtlichen Mitteilungen) die bereits vorhandene Garde von Fachleuten, die das breite Feld der Forschung erkundete, um sich versammelt und zusammengehalten. Das war die erste moderne, im bürgerlichen Sinne verstandene institutionierte Werkstatt der ungarischen Literaturgeschichtsschreibung. Dieses Wissen müssen wir jetzt durch die Tatsache ergänzen, daß zuvor die erste moderne Schule, die der ungarischen Literaturgeschichtsschreibung zielgerichtet und institutionell den Weg wies, die Zeitschrift Egyetemes Philológiai Közlemények (Allgemeine Philologische Mitteilungen) war. In der folgenden Studie möchten wir über die erste Periode, die ersten anderthalb Jahrzehnte der Mitteilungen berichten, bis zu der Zeit, als zuerst die Literaturgeschichtlichen Mitteilungen, später, ab 1912 die Irodalomtörténet (Literaturgeschichte) sich dem Blatt anschlössen, sich in die Aufgaben teilten und sie dann fast zur Gänze übernommen haben. Dies erfolgte in Zusammenarbeit mit den Generationen, die das Blatt für die beiden letzteren herangebildet hatte und ohne die nicht nur die damaligen, sondern auch die nachfolgenden literatui'-geschichtlichen Arbeiten unvorstellbar gewesen wären.