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André Barret - Die ersten Photoreporter 1848-1914 [antikvár]

Die ersten Photoreporter 1848-1914 [antikvár]

André Barret

 
Die Pioniere der Photoreport; im Zeitalter der Naßplati Die Photographie gleicht einem Wunder: Sie bringt das Leben zum StiUstand; sie hält Ereignisse, die unwiederholbar vorübergehen, im Bild fest und dokumentiert sie verläßlich und dauerhaft. Schon die älteste erhaltene Photographie - Dächer, die Nicéphore Niepce 1826 aus dem Fenster seines Arbeitszimmers heraus aufnahm - bezeugt neben ihrem historischen Wert diese Dokumentationskraft. Die Photographien, die für diesen Bildband zusammengestellt wurden, sind lebendige Dokumente...
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Die Pioniere der Photoreport; im Zeitalter der Naßplati Die Photographie gleicht einem Wunder: Sie bringt das Leben zum StiUstand; sie hält Ereignisse, die unwiederholbar vorübergehen, im Bild fest und dokumentiert sie verläßlich und dauerhaft. Schon die älteste erhaltene Photographie - Dächer, die Nicéphore Niepce 1826 aus dem Fenster seines Arbeitszimmers heraus aufnahm - bezeugt neben ihrem historischen Wert diese Dokumentationskraft. Die Photographien, die für diesen Bildband zusammengestellt wurden, sind lebendige Dokumente der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, auch wenn sie nicht alle aus dieser Absicht heraus entstanden. Die ersten Photographen hielten sich in der Auswahl ihrer Motive zumeist an den Geschmack und die Besonderheiten ihrer Zeit. So wie Monsieur Jourdain aus Molieres Lustspiel Der Bürger als Edelmann dichtete, ohne es selbst zu wissen, entstanden die ersten Photodokumente, ohne daß ihre Urheber sich dieser Tatsache bewußt waren. Vielmehr blieb es Humanisten und Soziologen wie Jacob Riis und Lewis Hine überlassen, die Beweiskraft und Gefühlsstärke der Photographie zu entdecken: Wenn sie die New Yorker Elendsviertel oder arbeitende Kinder photographierten, dann wollten beide die Realität nicht nur enthüllen, sondern auch zu ihrer Veränderung beitragen. Doch nach und nach wurde der dokumentarische Wert der Photographie auch allgemein offenkundig. 1889 rief das British Journal of Photography zur Gründung umfassender Photoarchive auf, die das aktuelle Bildmaterial der Zeit so vollständig wie möglich sammeln sollten, denn man ahnte bereits, welche große Bedeutung diese Photodokumente ein Jahrhundert später haben würden. Wenn viele Photographen auch noch nicht so weit in die Zukunft schauten, so erlagen sie doch der Faszination, die Augenblicke der Gegenwart einfangen zu können, die sie für die bedeutendsten hielten. Der Begriff »Reporter«, dessen Ursprung sich von dem lateinischen Wort »reportare« {zurücktragen, überbringen) herleiten läßt, wurde aus dem Englischen in unsere Sprache übernommen. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts verwendet man diesen Begriff für Journalisten, die unmittelbar am Ort des Geschehens Informationen sammeln. Wer ein guter Reporter sein wollte, mußte schon damals stets als erster zur Stelle sein, die Situation rasch erfassen und die Informationen auf schnellstem Wege seiner Zeitung übermitteln. Er mußte darüber hinaus sportlich, schlau und vital sein - so wie die beiden Journalisten Al-cide Jolivet und Harry Blount aus Jules Vernes Roman Der Kurier des Zaren [Michel Strogojf, 1876). Reporter mußten sich kurz fassen. Für eine schnelle Verbindung sorgte in den Jahren zwischen 1850 und 1900 jedoch nur der Morsetelegraph. Das Telefon, 1876 von dem Amerikaner G. Bell erfunden, ermöglichte erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine wesentlich umfangreichere Nachrichtenübermittlung. Sich kurz fassen zu müssen, bedeutete für den Reporter, daß er sich auf das Sachliche beschränken mußte und nur zusammenfassend informieren konnte. Seine Meldungen hatten den Charakter von Bildbeschreibungen, sie waren gleichsam Vorläufer des Bildfunks. Natüriich färbten die Verleger und Redakteure diese »Photodepeschen« den Vorstellungen der Zeitung und ihrer Leserschaft entsprechend ein. Blättert man die bürgerliche Presse der Jahre zwischen 1850 und 1900 durch, so stößt man auf Meinungsklischees, die heutzutage bestürzend wirken: Da ist der streikende Arbeiter ein gefährliches Ungeheuer, der Schwarze ein vom Baum gefallener Schimpanse und der Gelbe nur ein Viertel des weißen Menschen wert - jedenfalls bis zum überraschenden Sieg Japans über Rußland. Darauf bedacht, dem Interesse ihrer Leser an rührseligen Geschichten gerecht zu werden, nahm sich die Presse besonders der Themen Kirche und Armee an, und so findet man in den Zeitungen dieser Jahre Bilder, auf denen Bischöfe Kanonen segnen Die Photographen, die hier als »Reporter« bezeichnet werden, waren nicht im eigentlichen Sinne des Wortes Berichterstatter der damaligen Nachrichtenpresse. Die großen Wochenblätter zogen erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts Photographen zur Mitarbeit heran und dann meistens auch nur, um ihren Zeichnern die Arbeit zu erleichtem. Dafür gab es verschiedene Gründe. Zunächst einmal war die Technik der Photographie vor der Erfindung und Verbreitung der Trockenplatte zwischen 1860 und 1880 noch äußerst kompliziert und erforderte einen großen Materialaufwand: eine Dunkelkammer in unmittelbarer Nähe des Aufnahmeortes, mehrere Wannen, Kästen zum Schutz der Platten, Vorräte an Chemikalien und Zubehör für die verschiedenen Negativformate. Man kann sich heute kaum vorstellen, wie schwierig es im Zeitaker der Naßplatte war, eine Photographie unter freiem Himmel aufzunehmen. Da mußte zuerst ein schwarzes Zek aufgeschlagen werden, unter dem dann das Kollodium auf die Platte gegossen und durch vorsichtiges Hin- und Herkippen der Platte gleichmäßig in alle Richtungen verteilt wurde. Das setzte Erfahrung und Geschicklichkeit voraus. Anschließend mußte die Kollodiumplatte in ein Silbernitratbad getaucht, in die Kamera eingesetzt und sehr schnell belichtet werden, da mit der Verdunstung des Äthers auch ihre Empfindlichkeit nachließ. War die Belichtungszeit beendet- sie dauerte zwischen 20 Sekunden und zwei Minuten - wurde die Platte entwickeh, mit Natriumhyposulfid fixiert und schließlich gewässert und getrocknet. Mißlungene Aufnahmen, Staub und Fliegen, die die

Termékadatok

Cím: Die ersten Photoreporter 1848-1914 [antikvár]
Szerző: André Barret
Kiadó: Wolfgang Krüger Verlag
Kötés: Vászon
ISBN: 3810502138
Méret: 300 mm x 240 mm
André Barret művei
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