Bővebb ismertető
Langsamen Schrittes ging die Studentin Tanja das Ufer des Flusses entlang, den die Frühlingswasser hatten hoch anschwellen lassen. Sie hielt den Kopf gesenkt und drehte nervös ein Bündel Papier in den Händen, Akten, die sie gestern aus dem Büro mit sich genommen und zu Hause fertiggestellt hatte. Tanja war Studentin an der Universität; sie war aber arm wie eine Kirchenmaus und mußte sich deshalb noch als Sekretärin im GublßpolKom* betätigen.
Es war heute etwas in ihr, das sie bedrückte und erregte. Sie konnte sich aber nicht klar darüber werden; schon seit dem frühen Morgen stand sie unter dem Druck dieser stumpfen Unruhe, die von Minute zu Minute wuchs. Alle Kraft nahm sie zusammen, um eine vernünftige Erklärung für diesen Zustand zu finden, aber es war vergebens.
„Es wird wohl ein Gewitter kommen", sagte sie da endlich halblaut vor sich hin. Sie fühlte sich ja immer so sonderbar beklommen, wenn ein Gewitter nahte.
Etwas beruhigt, hob sie den Blick und sah in die Ferne, in den hellblauen Himmel hinein, an dem die glühende Sonne stand. Eine tiefe, fast unheimliche Stille lag in der zitternden Luft. Es schien, als ob auch die Natur dem Lächeln der Sonne mißtraute und Angst hätte vor einem ansteigenden Sturme . . .
Der Fluß ging hoch. Die ungeheuren Wassermassen der Schneeschmelze fanden nicht Platz im gewohnten Bette und ergossen sich weit ins Land hinein, und dort, am jenseitigen Ufer, sah man von der Vorstadt nichts mehr als die Dächer der Häuser und die Wipfel der Bäume, umbrandet von den schäumenden Wogen. In dieser Überschwemmung, die heuer stärker war als sonst, lag etwas Trotziges, Ungestümes, Unerbittliches, etwas, das keinen Widerstand duldete . . .
Da fiel der Blick Tanjas auf die Uferböschung, an der das Wasser fast bis zum Weg hinauf reichte, zu den jungen
* Gouvernementvollzugskomitee.
7