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EINE FAMILIE
Am 20. Juni, dem Jahrestag des Todes von Dominique Annequin, thronte seine Witwe, Antoinette, geborene Béthonsart, im Kreise ihrer vier Söhne, ihrer zwei Schwie-gertöchter und drei Enkel. Die Familieneintracht, an der sie selbst oft zweifelte und die sie manchmal allén Ernstes für bedroht hielt, aber immer wieder herzustellen oder aufrechtzuerhalten verstand, zeigte sich in diesen Stunden offen vor aller Augen. Dieser Tag der Trauer war ihr Ruhmestag.
Er verlief nach einer bestimmten Regei, die sich. von Anfang an eingebürgert hatte und allén Beteiligten so natürlich vorkam, dass es seit diesen vier Jahren jedem einzelnen am Herzen zu liegen sehien, sich ihr anzupassen. So umhüllen sich die Familien mit einer gewissen Atmo-spháre, geben sich Symbole und schaffen für ihren eigenen Gebrauch einen Kultus, dessen Formen ihnen notwendig und unabánderlich erscheinen.
Der ganze Tag war ausschliesslich dem Toten geweiht. Von den frühesten Morgenstunden an gab es keine wich-tige Beseháftigung, an der er nicht beteiligt war, keinen Gedanken, der sich nicht in irgendeiner Weise auf ihn bezog. Die Arbeiten ruhten. Diejenigen, die gláubig waren, beteten in ihrer Pfarrgemeinde. Dominique nahm einen Augenblick lang wieder den Platz ein, den er zu Leb-zeiten so beharrlich ausgefüllt hatte.
Die alte Madame Annequin wohnte im Mittelpunkt der Familie, bei dem áltesten ihrer Söhne, dem Rechtsanwalt Maitre Hervé Annequin. Es war ihr Wille gewesen, dass sie innerhalb dieses grossen, prunkvollen Hauses nur die beseheidenste und unkonfortabelste Wohnung innehatte — zwei viel zu enge Zimmer in der zweiten Etage, naeh