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DIE REISE NACH AMERIKA
Im Mai 1939 erhielten wir die Nachricht, daß unser Visum nach Amerika für uns bereit sei.
Einige Tage später erhielten wir die Nachricht, daß wir mit Kind und Kegel aus Deutschland und Österreich ausgebürgert worden waren.
Wir begannen Abschied zu nehmen.
Wir waren damals über ein Jahr in Chardonne sur Vevey am Genfer See gewesen, wir liebten die Landschaft, das Dorf, die Weinberge, das Haus; die Hotelbesitzer waren unsre Freunde geworden.
Wir hatten hier Weihnachten und Neujahr gefeiert und die goldene Hochzeit unsrer Eltern. Wir mußten nun Abschied feiern.
Die Eltern kamen nochmals aus Deutschland, die Freunde aus Österreich, Italien, Deutsdiland unter großen Ausreise- und Einreiseschwierigkeiten.
Wir spürten den kommenden Krieg in den Gebeinen, wir waren Auswanderer geworden, wir feierten den Abschied als etwas Endgültiges und Besiegeltes. Wir sagten auf Wiedersehn und hatten nur einen Schimmer von Hoffnung auf Wiedersehen. In all den Jahren in Amerika hatten wir Sehnsucht nach Chardonne, man könnte es fast Heimweh nennen, obwohl wir nur ein Jahr dort gelebt hatten. Es war für uns der Platz in Europa, der voll ungestörter Erinnerungen war.
Unser Haus in Österreich, unsere Wohnungen in Berlin und Wien waren enteignet, geplündert, zerstört — das waren Alpträume. Aber von Chardonne konnte man ungestört träumen, und die wahre Sehnsucht erinnert sich wohl an das Unveränderte und Unvergängliche.
Nach Barnard, Vermont, kamen wir zum erstenmal fünf Wochen nach unsrer Ankunft in Amerika.
Die ersten fünf Wochen nach unsrer Ankunft in New York wohnten wir in der Wohnung einer Freundin, die wir seit 1925 aus Berlin kannten. Sie war, als wir ankamen, in Kalifornien.