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I. Die Forderung des Tages.Als wir jungen Leute, meine Frau und ich, unser gemeinsames Leben in der Dorpater Studentenbude, die notdürftig genug zur Familienwohnung eingerichtet worden war, in einigermaßen regelmäßigen Gang gebracht hatten, erstaunte sie über die Summe von mannigfaltiger Arbeit, die ich im Laufe des Tages herunterzuspinnen hatte. Morgens einige Stunden Unterricht an einer Realschule, den ich übernommen hatte, um unser selbständiges Leben zu ermöglichen; dann bis Mittag und am Nachmittag Assistententätigkeit bei meinem verehrten Lehrer Carl Schmidt, die nach seiner mir deutlichst erteilten Anweisung darin zu bestehen hatte, daß ich ohne Rücksicht auf offizielle" Anforderungen möglichst viele und gute wissenschaftliche Experimentalarbeiten ausführen sollte; am Abend endlich Schreibarbeit an meinem ersten Buche, dem Lehrbuch der Allgemeinen Chemie", dessen erster Band allerdings erst ein paar Jahre später in Riga fertig wurde. Dazwischen noch .gelegentlicher Privatunterricht und natürlich die Vorlesungen, die ich als Privatdozent an der Universität zu halten hatte, und die auch mancherlei Vorbereitung, experimentelle wie theoretische, erforderten. Dies stand in einigem Gegensatz zu der unbefangenen Weise, in der man sich in unserer gemeinsamen Vaterstadt Riga damals mit der Tagesarbeit abzufinden wußte, um genügend Zeit für die in allen Formen geübte private Geselligkeit übrig zu behalten. Wie es in der Stimmung des Ehefrühlings liegt, wünschte sie auch ihrerseits sich meinem Stil anzupassen, und da sie zufolge guter mütterlicher Schulung sehr geschwind mit dem bißchen Hauswesen fertig wurde, das unsere zweieinhalb Zimmer beanspruchten, so kränkte es sie, daß sie so wenig zu tun hatte. Insbesondere wünschte sie angesichts der sehr weitaussehenden Pläne, die ich für die künf-Ostwald, Die Fordemag des Tages.1