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Die Französische Revolution und die Katholische Kirche - das ist die
Geschichte eines heftigen Zusammenstoßes, einer langen Entfremdung, einer
mühsamen Versöhnung. Der Zusammenstoß fällt in die Jahre 1790-99; die
Entfremdung hält fast das ganze 19. Jahrhundert hindurch an, bis zum Pontifi-
kat Papst Leos XIII., ja darüber hinaus; die Versöhnung bahnt sich im 20. Jahr-
hundert an, erreicht im Zweiten Vatikanischen Konzil ihren vorläufigen
Abschluß und findet symbolischen Ausdruck in der Äußerung Papst Johannes
Pauls II. auf dem Flughafen Le Bourget am 1. Juni 1980 anläßlich seines ersten
Frankreichbesuchs: „Jeder weiß, welchen Platz die Idee der Freiheit, Gleich-
heit und Brüderlichkeit in eurer Kultur und in eurer Geschichte einnimmt. Im
Grunde sind das christliche Gedanken."1)
Wie ist der Konflikt entstanden? War er unvermeidlich? Man muß, um diese
Frage zu beantworten, den historischen Ablauf der Revolution aus der Nähe
betrachten. Und man muß den Ausgangspunkt bedenken: Das Drama spielt
sich nicht in der angelsächsischen Welt ab, wo Kirche und Demokratie in rela-
tiver Unabhängigkeit und Selbständigkeit leichter zueinander finden konnten,
sondern im katholischen Frankreich mit seiner engen (gallikanischen) Verbin-
dung von Kirche und Politik. Die revolutionäre Bewegung ergriff mit dem
Staat zugleich die Kirche. Fast niemand im damaligen Frankreich konnte sich
vorstellen, daß die kirchliche Organisation vom Wandel in Staat und Politik
unberührt bleiben werde. So entzündete sich der Konflikt nicht an etwaigen
Trennungsabsichten der Revolutionäre, ganz im Gegenteil: gerade die
Absicht, Revolution und Kirche zu verschmelzen, sie zu vereinigen in einer
neuen Ordnung, welche „die Sitten und die Gesetze, Gott selbst und die Men-
schen völlig miteinander mischt und vereint",2) machte paradoxerweise das
Zerwürfnis unausweichlich. „Die Explosion eines laisierten christlichen Idea-
lismus" - so sah Jacques Maritain die Ereignisse von 1789. Noch schärfer traf
Gilbert Chesterton den Punkt - für ihn war die Französische Revolution ein-
fach „eine verrücktgewordene christliche Idee".