Bővebb ismertető
In der kurzen Zeit unmittelbar vor und nach der Jahrhundert-
wende vollzog sich — vor allem in Frankreich — eine Umwälzung in der Malerei, wie sie das Abend-
land seit den Tagen der Renaissance nicht mehr erlebt hatte. Die vier Jahrhunderte lang gültige
realistische Kunstanschauung wurde durch eine irrealistische verdrängt. Zum erstenmal seit vierhundert
Jahren war eine neue, dekorative und monumentale Auffassung von der Malerei zum Gegenangriff
auf das Staffeleibild, dessen »Fenster sich auf die äußere Welt öffnet«, übergegangen. Und der Mensch
gab sich zur gleichen Zeit, als er aufhörte, Mittelpunkt des Gemäldes zu sein, und darauf verzichtete,
das Maß aller Dinge in der Kunst zu bleiben, ein neues Bild von sich selbst. In den Werken, die er
nun schuf, waren die alten Werte des rationalistischen Humanismus neuen Werten gewichen. Sollen
wir sie mangels eines besseren Ausdruckes »ahumanistisch« nennen? Wie mochten wohl angesichts
einer solchen Umwälzung jene reagieren, die erst nach den Begründern der neuen Malweise zur
Kunst gelangen sollten? Würden sie diese ablehnen oder übernehmen? Würde es in letzterem Falle nur
zu einer Wiederholung kommen oder zu einer Fortsetzung, zu einer buchstabengetreuen Nachahmung
oder zu einem weiteren Vorstoß in der gleichen Richtung? Und in welchem Ausmaß, mit welchem
inneren Anteil an Widerstand oder Zustimmung würden sie ihr Ja oder Nein sprechen? Das sind die
Probleme, auf die seit nahezu einem halben Jahrhundert die künstlerische Entwicklung ihre verschie-
denen Antworten gegeben hat. Ihnen ist dieses Buch gewidmet. Summarisch, ja — im Interesse der
Klarheit des Ausdruckes — fast schematisch zeigt es die verschiedenen Formen der nahezu allgemeinen
Reaktion gegen die Malerei der Avantgarde auf, die sich von 1919 bis ungefähr 1939 fortschreitend
entwickelte; dann ihr erneuter Aufschwung, der ungefähr mit der Besatzungszeit zusammenfällt, und
dessen Folgen seit 1945: verschärfter Widerstand gegen die nichtrealistische Malerei auf der einen
Seite, auf der anderen Uberbewerten der abstrakten Kunst durch jene, die sie wieder zu Ehren brachten
und zur Vollendung führten.