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Vorwort
Faulkner weiss genau, daß es Detektive eigentlich gar nicht gibt; er weiß, daß die Polizei nicht auf Psychologie und Scharfsinn angewiesen ist, sondern auf die Denunziation, und daß es durchaus nicht Moustachu und Tapinois sind, die bescheidenen Denker des Quai des Orfevres, die den flüchtigen Mörder hinter Gitter bringen, sondern die Polizisten der Garnis; denn man braucht ja in der Tat nur die Memoiren der Polizeichefs zu lesen, um zu sehen, daß psychologische Inspiration nicht gerade zu den starken Seiten dieser Herrschaften gehört und daß eine Polizei >gut< erst dann ist, wenn sie es wirklich verstanden hat, ihre Spitzel zu organisieren. Faulkner weiß auch, daß der Gangster in erster Linie Alkoholhändler ist. Atmosphärisch ist Die Freistatt also ein Kriminalroman ohne >Kriminaler<, ein Gangsterroman mit schmutzigen, manchmal feigen, ohnmächtigen Gangstern. Aber auf diese Weise gewinnt der Autor eine Wildheit, die vom Milieu gerechtfertigt ist, und die Möglichkeit, ohne auch nur im geringsten den Bereich des Wahrscheinlichen zu verlassen, Notzucht, Lynchjustiz, Mord und alle erdenkliche Brutalität akzeptabel zu machen, die die Handlungsverwicklung auf dem ganzen Buch lasten läßt.
Ohne Zweifel ist es ein Irrtum, in der technischen Verwicklung, der Suche nach dem Verbrecher, das Wesentliche des Kriminalromans zu sehen. Für sich genommen, käme dieser Verwicklung kein höherer Rang zu als dem Schachspiel -künstlerisch wäre er gleich Null. Ihre Bedeutung besteht vielmehr darin, daß sie das wirksamste Mittel ist, einen ethischen oder poetischen Sachverhalt in seiner ganzen Intensität zu übersetzen. Ihren Wert macht das aus, was sie multipliziert.
Was multipliziert sie hier? Eine ungleiche Welt, mächtig, wild persönlich, gelegentlich nicht ohne Vulgarität. Eine