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Giovanni BelliniDie Galerien Eur°Pas 596(14281516) Fünf Allegorien:Das GlückHolz; 28X18 cm Venedig, AkademieDie fünf Bildchen, die wir hier fast in Originalgröße reproduzieren, sind in der Akademie zu Venedig in einen Rahmen zusammengefaßt. Es ist das einzige Werk profanen Inhalts, das wir von Giovanni Bellini kennen. Schon früher glaubte man, daß sie ursprünglich den Schmuck eines häuslichen Gegenstandes bildeten, bis Gustav Ludwig diesen Gegenstand genau identifizierte. In dem Testament des Vincenzo Catena vom 15. April 1530 heißt es: Ich hinterlasse mein restello" (kostbarer Spiegel), der mit kleinen Figuren von der Hand des Giovanni Bellini bemalt ist. Welche anderen kleinen Figuren von Bellini können da gemeint sein als diese, die der Schüler Bellinis seinem Freunde Antonio Marsiii mit besonderer Betonung hinterläßt? Der restello" war damals ein wesentlicher Bestandteil des venezianischen Schlafgemachs. Er diente vor allem zum Anbringen der kleinen intimen Toilettensachen, wie z. B. für den Schweif zum Reinigen der Kämme, für die Bürsten, die Säckchen mit Wohlgerüchen und anderes mehr. Wir finden solche restelli" öfters auf Bildern abgebildet und in den Inventarverzeichnissen werden sie meist reich verziert, bemalt und vergoldet beschrieben. Gustav Ludwig hat versucht, dies restello" des Catena zu rekonstruieren. Er nimmt den Spiegel in der Mitte an, um den sich sechs kleine Bilder (eines wäre demnach verloren) in zwei Reihen gruppieren. Der Inhalt unserer Bilder ist noch nicht erklärt, ebensowenig wie das Bild Die Allegorie" in Florenz. Und wenn auch die köstlichen Kunstwerke in ihrer liebevollen Ausführung, mit den prächtigen, leuchtenden Farben und der Anmut in den Einzelheiten reinste Freude und Jubel hervorrufen; ihr Geheimnis haben sie noch niemandem enthüllt, der sie danach befragt hat. Ludwig widmete diesem Werk Bellinis eine vorzügliche, ausführliche Studie. Er erklärt, daß die fünf Allegorien, trotz ihres scheinbar heidnischen Charakters, bei der frommen Natur des Malers doch einen christlichen moralischen Zusammenhang hätten. Wir werden zusammen mit den Auslegungen des Gelehrten auch die einfacheren Erläuterungen geben.--Ludwig erklärt die schöne Harpyie alssumma virtus". Die brennende Flamme auf dem Haupte wäre danach das Symbol der Caritas, die beiden Krüge das der Mäßigkeit, die Binde, die die Augen bedeckt, das der Gerechtigkeit, die Adlerflügel das der Hoffnung und die Löwentatzen das der Stärke. Dieser geistvollen Erklärung kann man entgegenhalten, daß das, was Ludwig eine Flamme nennt, vielmehr Haare sind, die vom Wind emporgetragen werden, und daß die zwei Gefäße, die die Mäßigkeit darstellen sollen, d. h. den Wein, der durch das Wasser gemäßigt wird, doch so aufgefaßt sein müßten, daß eine Flüssigkeit mit der anderen vermengt wird, was aber hier nicht der Fall ist. Für uns und für die meisten bedeutet dieses bizarre merkwürdige Wesen das Glück". Blind, töricht, tierisch ist das Glück, sagt Pacuvio, und so stellt Bellini es dar. Mit verbundenen Augen schreitet es unwissend auf den beiden Kugeln dahin und verteilt das Gute und das Schlechte bald hier bald da aus seinen Krügen. Das kleine Bildchen ist voll von poetischen Reizen: die leuchtende Landschaft im Hintergrund, die sich weit und weich ausbreitet, läßt das phantastische Wesen noch plastischer hervortreten und verstärkt den symbolischen Sinn. Die Gestalt des Glücks lenkt ihren Schritt nach dem dunklen, gefahrvollen Wege, aber hinter ihr lachen die fernen Berge in heiterem Licht und die klaren ruhigen Wasser, und die stillen Wege, die die grünen Wiesen und Wälder durchschneiden, und alles leuchtet und glänzt wie Edelsteine durch den glücklichen Pinsel des Meisters.Corrado Ricci