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I. Kapitel
Die Tänzerin Dolores del Ra hieß eigentlich Maria Matauschek. Schon als Kind hatte sie ihren Vater, einen armen Flickschuster aus Ottakring, verleugnet. Das schöne Mariechen tanzte ja bereits mit zehn Jahren im Opernballett. Doch der bedächtige Aufstieg zur Primaballerina, die traditionelle Maschinerie des Balletts schreckten sie später ab, und mit siebzehn Jahren vertauschte sie die Oper mit dem Meidlinger Orpheum. Sie tanzte und war glücklich. Der Krieg trieb sie mit einer kleinen Truppe in allen Etappenstädten Ungarns und Galiziens umher, und nach dem Auseinanderlaufen ihrer Truppe in Udine floh sie nicht in ihre Heimat, sondern fand ein Engagement in Mailand. Noch kamen nichtssagende Depeschen aus Turin und Monte Carlo, die letzte aus Biarritz, dann blieb sie verschollen. Die Eltern verstarben im bösen Winter 1918 an Grippe, und die kleine Ottakringer Gasse hatte so viele Tote und Vermißte zu beklagen, daß auch die Hausmeisterinnen des einst so schönen und fröhlichen Mädchens vergaßen.
Bis plötzlich in Paris der Name Dolores del Ra aufflog und die Weltpresse zu Hymnen begeisterte. Bis