Bővebb ismertető
Das in den Jahren 1763 bis 1769 für Friedrich II. (reg. 1740 bis 1786) erbaute Neue Palais ist eines der letzten großen im 18. Jahrhundert entstandenen fürstlichen Wohnschlösser. In der eindrucksvollen Abfolge großartiger Festsäle und weiträumiger Wohnquartiere, deren glanzvolle Ausgestaltung in den Formen des späten Rokoko erfolgte, nehmen Gemälde als Bestandteil der Raumdekorationen einen wichtigen Platz ein. Zu symmetrischen Gruppen geordnet und in mehreren Reihen übereinander gehängt, erscheinen die Gemälde auf für das Barock typische Weise als integrierender Bestandteil der Wandgliederung, der sie kräftige farbige Akzente verleihen. Ihre dekorative Wirkung wird durch die reichgeschnitzten und vergoldeten Rahmen zusätzlich erhöht. Doch haben die Gemälde im Organismus der Architektur nicht nur eine dienende Funktion. Sie müssen gleichermaßen als einzelne Kunstwerke von oftmals hoher Qualität betrachtet und gewürdigt werden. Die zur baugebundenen Ausstattung repräsentativer barok-ker Schloßanlagen gehörenden Bilder sind darüber hinaus häufig Träger ikonographischer Programme, in denen die Person des Herrschers und seine Taten, sein Rang und sein Haus verherrlicht werden. Die für das Neue Palais geschaffenen Wand- und Deckenbilder lassen sich nur zum Teil in diesem Sinne interpretieren. Das trifft auch für den Marmorsaal zu, den im Mittelrisalit gelegenen Hauptsaal des Schlosses, der dem 1945 zerstörten Marmorsaal des Potsdamer Stadtschlosses nachgestaltet worden ist (1). Die vier in die Wände eingelassenen Gemälde (Nr. 199-202) haben eine zusammenhängende und ihrer herausragenden künstlerischen Bedeutung entsprechende Würdigung bisher noch nicht gefunden. Die Gemälde wurden bereits um 1755, also während der vor dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) liegenden ersten Planungsphase für das Neue Palais bei französischen Malern bestellt, die Friedrich II. für die bedeutendsten seiner Zeit ansah. In der Plazierung dieser Bilder im zentralen Saal des Schlosses eine Huldigung des Bauherrn an die für ihn maßgebende französische Kultur zu sehen, scheint daher als programmatische Absicht denkbar (2). In das bei der Bauplastik des Mittelrisalits ablesbare ikonographische Programm, das von dem Deckenbild des Marmorsaales aufgenommen wird, wollen sich die Gemälde jedoch nicht einfügen. Auf dem 1768 von Amedee Vanloo gemalten Plafond (Nr. 198) istder Olymp mit den zum Mahl versammelten Göttern dargestellt. Ein geflügelter Genius
und Fama, die Verkünderin des Ruhmes, bringen ein von einem Tuch verhülltes ovales Tableau heran, das ursprünglich das Monogramm „FR" (Fridericus Rex) zeigte (3). Die mythologischen Figuren und Reliefs am Mittelrisalit des Außenbaues weisen auf Herrschertugenden im Krieg (Gartenseite) und im Frieden (Hofseite) (4), wobei sich die Deckengemälde der beiden Vestibüle (Nr. 1, 203)' der Friedensthematik anschließen lassen.
Neben dem Marmorsaal kommt im Raumprogramm des Neuen Palais der Marmorgalerie besondere Bedeutung zu. Sie ist der im Erdgeschoß liegenden Königswohnung unmittelbar vorgelagert. In den nach dem Vorbild der Kleinen Galerie von Sanssouci aufgeteilten Deckenspiegel sind drei große Gemälde von Christian Bernhard Rode eingelassen. Es sind Darstellungen der Tageszeiten Nacht, Morgen und Mittag, personifiziert durch antike Gottheiten (Nr. 7 bis 9). Die Gemälde bilden szenisch eine Einheit: Apollo, der Gott des Lichtes, vertreibt die Finsternis (5). Schon im Konzertsaal des Rheinsberger Schlosses, das Friedrich II. als Kronprinz bewohnte und ausbauen ließ, ist dieses Thema in einem 1740 von Antoine Pesne gemalten Deckenbild behandelt worden. Das Rheinsberger Gemälde ist durch zeitgenössische Beschreibungen als Allegorie auf Friedrich II. und sein Königtum gesichert (6).
In einigen Räumen ist die Synthese von Wandgliederung und Gemälden, die zu den Erwerbungen Friedrichs II. auf dem europäischen Kunstmarkt zählen, ähnlich eng wie bei den eigens für das Neue Palais geschaffenen Supraporten und Wandgemälden. Den Wandbildern des Marmorsaales vergleichbar sind hier Bildergruppen, die in formalem und inhaltlichem Zusammenhang stehen, vereint und in einen ihre Wirkung steigernden räumlichen Rahmen gebracht. So waren die Wandbilder des Unteren Konzertzimmers (Nr. 63-67) nicht von vornherein für das Neue Palais bestimmt. Nach Matthias Oesterreich entstanden sie im Auftrage-Kai-ser Karls VI., und Friedrich 11. erwarb sie mit einer größeren Anzahl anderer Gemälde aus den Händen des Berliner Kaufmanns Gotzkowsky. Mit ihren Darstellungen von Liebespaaren der antiken Mythologie schließen sie sich jedoch an die Tradition friderizianischer Konzerträume an. in denen von Ovid behandelte Szenen bildnerisch gestaltet worden sind (7).
Dem Unteren Konzertzimmer benachbart ist das Ovale Kabinett. Der intime, zu den feinsten Schöpfungen des frideri-