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Die Entstehungsgeschichte des Museums
Die reichhaltigen, sehr vielseitigen Sammlungen des Staatlichen Museums der Bildenden Künste „A.S.Puschkin" in Moskau umfassen Kunstwerke vieler Länder aus einem Zeitraum von mehr als sechs Jahrtausenden - von der Kunst des Altertums bis hin zur Gegenwart. Neben Gemälden werden im Museum 350000 Zeichnungen und Stiche aufbewahrt, darunter von russischen, sowjetischen, japanischen und chinesischen Künstlern, ferner eine Sammlung ägyptischer Altertümer, seltene Bildnisse aus Fayum und koptische Gewebe. Außerdem gehören zum Museumsbestand Tausende von Gegenständen der angewandten Kunst, griechische Vasen, Medaillen und Münzen. Das Museum verfügt auch über eine Sammlung von Abgüssen weltberühmter Skulpturen der Antike, des Mittelalters und der Renaissance. Diese Museumsabteilung zählt zu den umfangreichsten und vielseitigsten Spezialsamm-lungen dieser Art auf der Welt. Das Museum der Bildenden Künste „A. S. Puschkin" - kurz Puschkin-Museum genannt -ist etwas über 60 Jahre alt. Seine Gründung und Entwicklung unterscheiden sich von den Entstehungswegen vieler großer Kunstmuseen im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die sich in der Regel auf der Grundlage bereits zusammengetragener Sammlungen herausgebildet haben. Um die Gründung des Moskauer Museums hat es über hundert Jahre lang leidenschaftliche Bemühungen gegeben. Bereits in den fünfziger Jahren des 18. Jahrhunderts war auf die Notwendigkeit hingewiesen worden, daß Moskau über eine Einrichtung verfügen müsse, in der vorbildliche Kunstwerke der Welt gesammelt werden sollten.
Diese Idee wurde das ganze folgende Jahrhundert hindurch von der progressiven Moskauer Intelligenz begeistert unterstützt und fand ihren Niederschlag in dem vieldiskutierten Entwurf für ein „ästhetisches Museum", mit dem 1831 die Fürstin Sinaida Wolkonskaja hervortrat, und im entschiedenen Bemühen, an der
Moskauer Universität Sammlungen zu Lehrzwecken einzurichten, wofür sich mehrere Generationen von Professoren dieser Universität eingesetzt haben. Zur Triebkraft dieser Maßnahmen wurden die fortschrittlichen gesellschaftlichen Ideen, in deren Zeichen die bildende und erzieherische Mission der Kunst proklamiert wurde. 1858 schrieb P.G.Hertz, der erste Professor des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der Moskauer Universität: „Von ganzem Herzen ersehne ich innigst die Schaffung eines künstlerischen Museums als mächtiger Anreiz für eine bessere Bildung in unserer ersten Hauptstadt - in Moskau; jener Stadt, in der ein anderes geistiges Zentrum - die Universität - nicht nur die junge Generation, sondern auch die Bevölkerung, die Literatur, das ganze russische Leben so wohltuend beeinflußt."
Zu den wichtigen Ereignissen im künstlerischen Leben Moskaus zählen die Überführung der Sammlung des Grafen LP.Rumjan-zew von Petersburg nach Moskau und die 1862 erfolgte Eröffnung des Rumjanzew-Museums, der frühesten Moskauer Einrichtung des Bildungswesens. Sie umfaßte sowohl russische als auch ausländische Kunstwerke, eine Lehrsammlung der Moskauer Universität und Geschenke. Das neue Museum hatte ständig mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Es mangelte nicht nur an finanziellen Mitteln, sondern auch an Ausstellungsfläche, so daß ein beträchtlicher Teil der Bestände nicht gezeigt werden konnte. Diese Gründe sowie in gewissem Umfang auch der differenzierte Charakter der Sammlungen bewirkten, daß die dringende Forderung, in Moskau ein speziell der außerrussischen Kunst gewidmetes Museum einzurichten, keineswegs an Aktualität verlor - im Gegenteil, sie wurde sogar noch dringlicher.
Es war kein Zufall, daß der Direktor des Rumjanzew-Museums, der Professor der Moskauer Universität Iwan Wladimirowitsch Zwe-tajew, zum Begründer dieses neuen Museums, des unmittelbaren Vorläufers des Puschkin- 5